Für einiges Aufsehen hatte die erstmals in Rheinland-Pfalz nachgewiesene lokal erworbene West-Nil-Virus-Infektion beim Menschen gesorgt. Gleichzeitig meldet das ECDC seit Beginn der Übertragungssaison 2026 (bis zum 5. August) 59 vom West-Nil-Virus (WNV) betroffene Gebiete in sieben europäischen Ländern. Diese Gebiete befinden sich in Italien (36), Griechenland (neun), Rumänien (sechs), Nordmazedonien (drei), Spanien (zwei), Frankreich (zwei) und Deutschland (eins). Zugleich hatten mehrere europäische Länder früh in der Saison erste Fälle gemeldet, darunter Italien, Griechenland, Spanien, Nordmazedonien, Rumänien und Frankreich. Das CRM Centrum für Reisemedizin rät Reisenden und Ärztinnen und Ärzten, West-Nil-Fieber in der Mückensaison stärker zu berücksichtigen – besonders bei Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Symptomen.
Risikogebiete können sich verändern
„West-Nil-Fieber ist derzeit eines der wichtigsten saisonalen Infektionsthemen in Europa“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf. Nach den vorliegenden Meldedaten wurden u.a. in Italien bereits 94 Fälle und in Griechenland 42 Fälle mit vier Todesfällen registriert. Auch die USA verzeichnen mit 113 Infektionen bis Ende Juli ungewöhnlich viele Fälle. Für Deutschland ist der aktuelle Nachweis im Rhein-Pfalz-Kreis relevant, weil sich das West-Nil-Virus nicht mehr nur als Reiseinfektion zeigt. Seit 2018 wird das Virus hierzulande bei Vögeln und Pferden nachgewiesen, seit 2019 auch bei lokal infizierten Menschen. Die Schwerpunkte lagen bisher vor allem in Ostdeutschland; einzelne Nachweise in weiteren Bundesländern zeigen aber, dass sich Risikogebiete verändern können.
Probleme für Ältere und Immungeschwächte
„West-Nil-Fieber ist kein ausschließlich tropenmedizinisches Thema mehr. Das Virus zirkuliert saisonal in Teilen Europas und inzwischen auch in Deutschland“, erläutert Professor Jelinek. „Für die meisten Menschen bleibt eine Infektion unbemerkt oder mild. Ältere Menschen und immungeschwächte Personen können jedoch schwer erkranken.“ Das West-Nil-Virus wird vor allem durch Culex-Mücken übertragen, die auch in Deutschland verbreitet sind. Vögel dienen als Reservoir; Menschen und Pferde tragen in der Regel nicht zur weiteren Verbreitung bei. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome. Etwa jede fünfte infizierte Person entwickelt Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder Hautausschlag. Etwa eine von 100 Personen erkrankt schwer, etwa an Meningitis oder Enzephalitis; betroffen sind vor allem Ältere und Immungeschwächte.
Diagnostik ist wichtig
„Wenn Patientinnen und Patienten im Spätsommer nach Aufenthalt in betroffenen Regionen mit unklarem Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Symptomen in die Praxis kommen, sollte West-Nil-Fieber differenzialdiagnostisch mitgedacht werden“, so Jelinek. „Das gilt nach Reisen nach Südeuropa oder in die USA, zunehmend aber auch nach Aufenthalten in betroffenen deutschen Regionen.“ In den ersten Krankheitstagen kann eine RT-PCR aus Blut oder Liquor sinnvoll sein, später stehen serologische Verfahren im Vordergrund. Wegen möglicher Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren oder Impfungen kann bestätigende Spezialdiagnostik nötig sein. Akute Infektionen sind meldepflichtig. Eine spezifische antivirale Therapie oder zugelassene Impfung für Menschen steht bislang nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt symptomatisch. Entscheidend bleibt daher die Expositionsprophylaxe.
Mückenschutz bleibt essenziell
Das CRM empfiehlt in betroffenen Regionen konsequenten Mückenschutz: lange, helle Kleidung, Repellents, Insektenschutzgitter, Moskitonetze sowie geschlossene Räume am Abend und in der Nacht. Stehendes Wasser im Wohnumfeld sollte entfernt werden. „Mückenschutz ist bei West-Nil-Fieber die zentrale Prävention“, betont Jelinek. „Das gilt besonders für Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe.“ Reisende sollten sich vor Aufenthalten in betroffenen Regionen informieren und bei Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Beschwerden nach Mückenstichen ärztlichen Rat einholen.
Quelle: CRM
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