Weist das mütterliche Immunsystem auf eine Frühgeburt hin?
Rund jedes zehnte Kind kommt zu früh auf die Welt. Zwei Drittel aller Frühgeburten weisen einen eigens ausgelösten Frühstart aus, etwa mit Wehen oder einem vorzeitigen Fruchtwasserabgang. Diese „spontanen Frühgeburten“ treten ohne erkennbare medizinische Warnzeichen oder bekannte Risikofaktoren auf. Eine übermäßige mütterliche Immunreaktion mit einem erhöhten Risiko für spontane Frühgeburten wurde schon länger vermutet, doch wann diese Veränderungen beginnen und wie sie sich im Verlauf der Schwangerschaft entwickeln, war bisher weitgehend unklar.
Internationales Studienteam
Eine Studie von Forschenden der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie der amerikanischen Stanford University zeigt nun neue Hinweise. Sie ist Teil des vom UKE geleiteten Sonderforschungsbereichs „Aktivierung des mütterlichen Immunsystems: Ursachen und Folgen“.
„Mit unserer Studie konnten wir zeigen, dass eine fehlregulierte Anpassung des mütterlichen Immunsystems bereits lange vor dem klinischen Auftreten einer spontanen Frühgeburt nachweisbar ist. Diese Ergebnisse schaffen eine wichtige Grundlage, um das Risiko von spontanen Frühgeburten vorherzusagen und eröffnen Perspektiven für gezielte präventive Maßnahmen“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Petra Arck, Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des UKE.
Studienerkenntnisse deuten auf Veränderung im Immunsystem hin
Das internationale Forschungsteam analysierte Blutproben aus der Schwangerschaftskohorte der UKE-Langzeitstudie PRINCE (Prenatal Identification of Children‘s Health). Sie enthielt die Daten von Frauen mit eher unauffälligen, risikoarmen Schwangerschaften. Die Blutproben, die aus der Zeitspanne lange vor der Frühgeburt stammten, wurden mithilfe modernster Multi-Omics-Technologien untersucht, um Veränderungen des mütterlichen Immunsystems über die gesamte Schwangerschaft hinweg nachzuvollziehen. Die Analysen zeigten, dass sich das Immunsystem bei Frauen mit spontaner Frühgeburt bereits in der frühen Schwangerschaft anders verhielt als bei Frauen, die termingerecht entbanden. Bereits zu Beginn der Schwangerschaft reagierten bei den Frauen mit Frühgeburt bestimmte Immunzellen besonders empfindlich auf Stresssignale, die durch das Stresshormon Adrenalin vermittelt werden. Im weiteren Schwangerschaftsverlauf produzierten sie verstärkt entzündungsfördernde Botenstoffe. Darüber hinaus identifizierten die Forschenden Veränderungen bei speziellen Immunzellen, den CD4+-T-Zellen. Diese wiesen eine verstärkte Th17-Polarisierung auf – ein Hinweis auf eine fehlgeleitete Immunregulation, die mit entzündlichen Prozessen in Verbindung gebracht wird.
Früherkennung von Risiken
„Die Studie liefert einen umfassenden Datensatz zur Dynamik des mütterlichen Immunsystems während der Schwangerschaft und schafft einen konzeptionellen Rahmen für die Früherkennung von Frauen mit erhöhtem Risiko für spontane Frühgeburten“, erklärt die klinische Studienleiterin Prof. Dr. Anke Diemert, Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des UKE. Darüber hinaus liefert die neue Studie wichtige translationale Erkenntnisse für die Entwicklung gezielter Präventionsstrategien, damit möglichst viele Frühgeburten verhindert werden.
Quelle: idw/UKE
Artikel teilen




