Pünktlich zum Weltkrebstag, der unter dem Motto „United by Unique“ steht, liegt die aktualisierte, fünfte Auflage des Europäischen Kodex gegen Krebs in deutscher Sprache vor. Der Kodex wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO veröffentlicht und enthält 14 wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen, mit denen Menschen ihr persönliches Krebsrisiko senken können. Erstmalig beinhaltet der Kodex auch konkrete Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger. Statt zwölf umfasst der Kodex nun 14 Handlungsempfehlungen, die Menschen helfen, ihr Krebsrisiko zu verringern. Erstmalig hat die IARC Umweltverschmutzung als Faktor aufgenommen. Der Kodex empfiehlt beispielsweise, sich mit Bus und Bahn sowie zu Fuß und mit dem Fahrrad fortzubewegen, anstatt das Auto zu nutzen, oder auf Feuerstätten in Innenräumen zu verzichten. Zwei separate Empfehlungen richten sich an Frauen. Für junge Mütter gilt: Möglichst langes Stillen senkt das Risiko für Brustkrebs. Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren sollten eine Hormonersatztherapie nur nach ärztlicher Rücksprache und so kurz wie nötig einsetzen. Ein krebsvorbeugender Lebensstil beinhaltet unter anderem den Verzicht auf Tabak, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht sowie Schutz vor UV-Strahlung. Einige Empfehlungen hat die IARC erweitert bzw. verschärft: So warnt der Kodex nun auch vor dem Konsum von E-Zigaretten und Vapes. Zudem raten die Autoren zum vollständigen Verzicht auf Alkohol sowie auf die Nutzung von Solarien.
Politik wird in die Pflicht genommen
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Michael Baumann, Vorstand des DKFZ. Sagte anlässlich der Vorstellung des Kodex: „Allein im Jahr 2023 erhielten rund 520.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Krebs. Zwei von fünf dieser Erkrankungen wären durch gesundheitsbewusstes Verhalten vermeidbar gewesen. Viele der Schicksale könnten durch Prävention und Früherkennung verhindert oder deutlich abgemildert werden. Der Europäische Kodex gegen Krebs bündelt wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen und ist damit ein unverzichtbares Instrument für alle, die ihre Gesundheit aktiv schützen wollen. Dass der Kodex nun erstmals auch die Politik in die Pflicht nimmt, begrüßen wir sehr.“ So werden unter anderem höhere Steuern auf Tabak- und Nikotinprodukte, Alkohol, zuckerreiche Lebensmittel und stark verarbeitetes Fleisch gefordert. Ergänzend sollen Informationskampagnen die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken. Empfohlen wird zudem, Impfprogramme gegen Hepatitis B und humane Papillomaviren auszubauen. Darüber hinaus sollen politische Entscheidungsträger für bessere Arbeitsschutzmaßnahmen sorgen, insbesondere bei Menschen, die im Freien oder mit krebserregenden Stoffen arbeiten.
Die fünfte Auflage des Europäischen Kodex gegen Krebs ist ab dem 04. Februar 2026 auf Deutsch hier abrufbar.
Probleme nach überstandener Krebserkrankung
Gerade für junge Menschen zwischen 18 und 39 Jahren fällt eine Krebsdiagnose in eine Lebensphase, die von Ausbildung, Berufseinstieg, finanzieller Unabhängigkeit und Familienplanung geprägt ist. Viele erleben, dass die Folgen der Erkrankung weit über die medizinische Behandlung hinausreichen. Auch Jahre nach der Heilung sehen sie sich mit bürokratischen Hürden konfrontiert, etwa bei Versicherungen, Krediten oder beruflichen Perspektiven, betont die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs im Vorfeld des Krebstages. Die frühere Krebserkrankung bleibe präsent und wirke als soziales Stigma fort. Für viele Betroffene sei dies eine Retraumatisierung, die Angst, Wut, Verzweiflung und Resignation auslöse.
Ein Recht auf Vergessenwerden?
Gemeinsam mit den Betroffenen setzt sich die Stiftung dafür ein, junge Menschen nach überstandener Krebserkrankung vor dauerhafter Benachteiligung zu schützen und ihnen dieselben Chancen wie Gleichaltrigen ohne Krebserfahrung zu ermöglichen. Das Recht auf Vergessenwerden sei dafür ein zentraler Baustein. Es besagt, dass eine überstandene Krebserkrankung nach einer sogenannten Heilungsbewährung von fünf Jahren ohne Rezidiv nicht mehr angegeben werden muss und nicht länger gegen Betroffene verwendet werden darf, etwa bei Versicherungen, Krediten oder im Rahmen von Verbeamtungen. In neun europäischen Ländern, darunter Frankreich, Belgien und die Niederlande, sei dieses Recht bereits gesetzlich verankert. In Deutschland fehlen bislang verbindliche Regelungen. Hier bestehe dringender Nachholbedarf. Ein erster Schritt wäre die Umsetzung der europäischen Verbraucherkreditrichtlinie in nationales Recht, die bislang aussteht, obwohl sie bereits im November hätte verabschiedet werden müssen, so die Stiftung.
DKMS: Junge Menschen spielen wichtige Rolle
Auf das Motto „United by Unique“ verweist auch die DKMS. Es sei ein Gedanke, der auch die Mission der DKMS präge. Mehr als 97 Prozent aller DKMS Spender/-innen würden jederzeit wieder Stammzellen spenden, betont die Organisation. 2025 vermittelte die DKMS mehr als 7.300 Stammzellspenden aus Deutschland. Besonders junge Menschen spielen dabei eine zentrale Rolle. Allein 2026 scheiden rund 160.000 Menschen altersbedingt aus der Datei aus. 68 Prozent der 2025 ermöglichten Stammzellentnahmen stammten von Spender/-innen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Ihre Stammzellen gelten als besonders vital und können den Erfolg einer Transplantation maßgeblich positiv beeinflussen. Aktuelle Studiendaten weisen laut DKMS darauf hin, dass das biologische Alter der Spender/-innen den Transplantationserfolg stärker beeinflusst als bisher angenommen. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen, darunter die HAMLET-Studie der DKMS, bekräftigen dies.
Quelle: DKMS, DKFZ, Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs
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