Wie kann die Sepsisversorgung verbessert werden?
Bei der Sepsiserkennung und -versorgung gibt es unverändert Defizite. Genau hier soll optiSEP ansetzen. Es handelt sich um ein Verbundprojekt („optiSEP – Transsektorale Optimierung der Versorgungsprozesse bei Sepsis auf Basis interoperabler Routinedaten“), das vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert wird. Ziel soll es sein, die Versorgung von Sepsispatientinnen und -patienten sektorenübergreifend zu verbessern und kritische Schwachstellen entlang der Behandlungskette – von Rettungsdienst und Notaufnahme über Intensivstation bis zur Rehabilitation – konsequent zu beheben.
NGS spielt zentrale Rolle
Eine zentrale Rolle spielt die molekulare Erregerdiagnostik mittels Next-Generation Sequencing (NGS). Während klassische Kulturen Erreger nicht immer oder nur verzögert nachweisen können, identifiziert NGS Krankheitserreger direkt über ihr genetisches Material. Dadurch lassen sich auch schwer kultivierbare Erreger besser erfassen. Somit können antiinfektive Therapien – insbesondere bei zeitkritischen Verläufen – früher und gezielter angepasst werden. Dr. Alexandra Ramshorn-Zimmer, Leiterin des Klinischen Prozessmanagements am Universitätsklinikum Leipzig (UKL), Projektinitiatorin und Konsortialführende, betont: „Mit optiSEP schaffen wir die Voraussetzungen, moderne Diagnostik, digitale Datenströme und strukturierte Behandlungspfade so zu verbinden, dass Patientinnen/Patienten schneller und zielgerichteter profitieren. Unser Anspruch ist es, die Versorgungskette nicht nur zu analysieren, sondern konkret so zu verbessern, dass an den Schnittstellen weniger Information verloren geht und die Behandlungsqualität messbar steigt.“
Bessere Nutzung von Routinedaten
Kern des Projekts ist denn auch die digital verknüpfte, interoperable Nutzung von Routinedaten aus allen Phasen der Patientenbehandlung. Auf dieser Grundlage sollen künftig datengestützte Entscheidungshilfen entwickelt werden, um gefährliche Verläufe früher zu erkennen und klinische Entscheidungen schneller zu unterstützen. Ergänzend sollen standardisierte Behandlungspfade sicherstellen, dass die aktuellen evidenzbasierten Sepsis-Leitlinien im gesamten Versorgungsprozess einheitlich und zuverlässig umgesetzt werden. Ein patientenzentriertes Nachsorgekonzept soll darauf abzielen, Langzeitfolgen nach überstandener Sepsis zu reduzieren.
Informationsverluste an sektoralen Schnittstellen angehen
„Sepsis kennt keine Sektorengrenzen. Für eine erfolgreiche Behandlung müssen Rettungsdienst, Notaufnahme, Intensivstation und Rehabilitation nahtlos ineinandergreifen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Felix Walcher, Direktor des Instituts für Public Health in der Akutmedizin an der Universitätsmedizin Magdeburg. „Mit optiSEP verbinden wir moderne datengestützte Entscheidungshilfen, diagnostische Innovation und standardisierte Behandlungspfade, um die Versorgung transsektoral und nachhaltig zu verbessern.“ Perspektivisch habe optiSEP das Potenzial, als Modell für weitere Indikationen zu dienen – und setze zugleich wesentliche Anforderungen des zum 1. Januar 2026 gestarteten Qualitätssicherungsverfahrens „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ in die Praxis um, so die Projektverantwortlichen. optiSEP baut auf den Erfahrungen des Vorgängerprojekts DigiSep auf. Es soll ein zentrales Problem der Akut- und Notfallversorgung angehen: Informationsverluste an sektoralen Schnittstellen – etwa zwischen Rettungsdienst, Notaufnahme und Intensivstation. Die Förderung ist auf 42 Monate angelegt; die Arbeit am Projekt soll ab September 2026 vollumfänglich starten.
Quelle: idw/UML
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