Wie lässt sich ein Hörsturz sinnvoll therapieren?

Neue Studie
mb
Prof. Dr. Stefan Plontke in der Klinik.
CORTEBO-Studienleiter Prof. Dr. Stefan Plontke © Universitätsmedizin Halle
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Ein Hörsturz wird häufig mit Glukokortikoiden therapiert. Eine neue Studie der Universitätsmedizin Halle untersucht die Effektivität dieser Kortison-Therapie und prüft, inwieweit damit unerwünschte Wirkungen einhergehen.

Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender Hörverlust ohne erkennbare Ursache. Meist tritt er innerhalb von 72 Stunden auf einem Ohr auf, zusätzlich sind Tinnitus und Schwindel möglich. Behandelt wird die Erkrankung seit fast 50 Jahren durch entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der Glukokortikoide: in Form von Tabletten, per Infusion oder als Spritze ins Mittelohr. Da es keine zugelassene medikamentöse Therapie gibt, erfolgt die Anwendung ‚off-label‘. „Es ist nach wie vor unklar, ob die Standardtherapie bei Hörsturz tatsächlich effektiv ist. Die bisherigen Daten dazu sind widersprüchlich“, sagt Prof. Dr. Stefan Plontke, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Universitätsmedizin Halle.

Neue Studie soll Klarheit schaffen

Unter Leitung der Universitätsmedizin Halle und in Kooperation mit dem Deutschen Studienzentrum für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DSZ-HNO) startet eine neue, groß angelegte Studie. In zahlreichen deutschen Zentren sollen 218 Patienten und Patientinnen in die Analyse aufgenommen werden. „Die Teilnehmenden erhalten zehn Tage lang entweder die gängige Standardtherapie mit Prednisolon oder ein Placebo. Einen Monat nach Behandlungsbeginn messen wir, wie sich der Hörverlust in den besonders betroffenen Tonhöhen verändert hat. Auch das Sprachverständnis und die Lebensqualität der Betroffenen werden ausgewertet. Die Nachsorge im Rahmen der CORTEBO-Studie erfolgt für weitere fünf Monate“, erklärt Studienleiter Prof. Plontke. Starten soll die Studie Anfang des Jahres 2027. Erwachsene im Alter von 18 bis 80 Jahren, die erstmals einen einseitigen Hörsturz innerhalb von 24 Stunden erlitten haben, können teilnehmen. Die Aufnahme in die Studie und die Behandlung müssen innerhalb von sieben Tagen erfolgen. Nicht teilnehmen können Personen, die wiederholt betroffen sind oder bei denen der Hörsturz bereits mit Glukokortikoiden oder einer hyperbaren Sauerstofftherapie behandelt wurde. Um eine objektive Durchführung zu gewährleisten, handelt es sich um ein dreifach verblindetes Studienkonzept: Weder die Patienten noch das ärztliche Personal oder die auswertenden Personen wissen, wer welche Behandlung erhalten hat. Die Zuordnung wird erst nach Abschluss der Datenanalyse aufgedeckt.

Hohe Dosierungen sind eher nachteilig

Zeitweise herrschte die Meinung, dass eine hohe Infusionsdosis Glukokortikoide über einen kurzen Zeitraum besser wirken könnte als eine gängige Therapie mit Tabletten. Diese Vermutung wurde kürzlich durch die HODOKORT-Studie der Universitätsmedizin Halle und dem DSZ-HNO widerlegt. Das Ergebnis: Eine hochdosierte Therapie erzielte keine besseren Behandlungsergebnisse, war aber mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden und daher eher nachteilig. So stellte sich erneut die Frage nach der Wirksamkeit niedrigerer Dosierungen, wie der bisherige Behandlungsstandard vorschlägt. „Da bislang ausschließlich die Therapie mit Glukokortikoiden zur Verfügung stand, galt es als ethisch nicht vertretbar, Patientinnen und Patienten im Rahmen einer Studie ein Placebo zu verabreichen und ihnen damit eine Behandlung vorzuenthalten. Die neuen Hinweise auf einen fehlenden Zusatznutzen und relevante Nebenwirkungen rechtfertigen nun eine placebokontrollierte Prüfung“, fasst Prof. Plontke zusammen.

Förderung und Partnerschaft

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bis Anfang des Jahres 2031 mit mehr als zwei Millionen Euro gefördert. Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (www.tinnitus-liga.de) begleitet die Studie als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation. Aus Patientensicht ist die Partnerschaft besonders wichtig: Die Liga beteiligte sich an der Benennung des Forschungsbedarfs, informiert Mitglieder über die Studie und wird die Ergebnisse in die Breite bringen.

Quelle: idw/UMH

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