„Ultraschall kann eine Fettleber und frühe Gefäßveränderungen sichtbar machen, bevor sie Beschwerden verursachen“, sagt Dr. med. Sabine Guth, Ärztliche Leiterin von Sana Praevention Hamburg und Kongresspräsidentin des Dreiländertreffens 2026. „Gerade wenn wir Gefäßveränderungen schon vor dem 50. Lebensjahr sehen, finden wir häufig zusätzliche Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinwerte, ein erhöhtes Lipoprotein(a) oder bislang unentdeckten Bluthochdruck.“
Eine Fettleber ist ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Wie relevant das sein kann, zeigt eine schwedische Studie mit rund 13.000 Patientinnen und Patienten mit Fettleber: Die Sterblichkeit infolge eines plötzlichen Herztods lag um 54 Prozent höher, die krebsbedingte Sterblichkeit um 47 Prozent. Mit Ultraschall lässt sich eine Fettleber erkennen; auch Veränderungen an Gefäßen können sonografisch sichtbar werden.
Welche Bedeutung Ultraschall in der Prävention haben kann, zeigt Guth anhand ihrer eigenen Vorsorgeklientel: Unter rund 20.000 Untersuchungen bei Personen, die sich etwa im Rahmen betrieblicher Angebote oder aus privater Initiative vorstellen, finden sich nach ihren Angaben bei etwa 30 Prozent eine Fettleber oder beginnende Gefäßwandveränderungen. „Bei etwa einem Prozent der Untersuchten entdecken wir zudem bösartige oder potenziell bösartige Befunde – häufig in einem frühen Stadium“, so Guth.
Check-up ohne Ultraschall
In den regulären gesetzlichen Früherkennungsangeboten ist Ultraschall bislang nur sehr begrenzt vorgesehen. So umfasst beispielsweise der Check-up ab 35 Jahren keine regelhafte Ultraschalluntersuchung. Eine Ausnahme ist das einmalige Screening auf ein Bauchaortenaneurysma für Männer ab 65 Jahren. Guth plädiert deshalb dafür, zumindest die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums in Vorsorgekonzepte einzubinden.
Ein häufiger Einwand gegen einen breiteren Einsatz der Sonografie in der Früherkennung sind Zufallsbefunde. Guth sieht darin bei qualitätsgesicherter Untersuchung jedoch keinen grundsätzlichen Hinderungsgrund. „Erfahrene Untersuchende können harmlose Zufallsbefunde in der Regel als solche einordnen, und auffällige Befunde lassen sich gezielt weiter abklären oder im Verlauf kontrollieren“, betont Guth.
Gute Früherkennung braucht gute Ausbildung
Für die DEGUM ist deshalb die Qualität der Untersuchung ein zentraler Punkt. Ultraschall ist stark von Ausbildung, Erfahrung und Gerätequalität abhängig. „Alles steht und fällt mit einer fundierten Ultraschallausbildung“, sagt Guth. „Wenn Sonografie stärker in der Früherkennung eingesetzt werden soll, müssen Qualifikation, Geräteausstattung und Qualitätssicherung mitgedacht werden.“
Auch wirtschaftlich kann frühe Erkennung relevant sein: Entdeckt der Ultraschall eine Fettleber oder Gefäßveränderungen frühzeitig, können Ärztinnen und Ärzte begleitende Risikofaktoren wie Bluthochdruck sowie erhöhte Blutfett- oder Blutzuckerwerte gezielt behandeln und Lebensstiländerungen anstoßen. So lassen sich unter Umständen schwere Krankheitsverläufe und aufwendige Therapien vermeiden. Die DEGUM spricht sich deshalb dafür aus, den möglichen Stellenwert qualitätsgesicherter Ultraschalldiagnostik in Prävention und Früherkennung stärker wissenschaftlich zu untersuchen und bei entsprechender Evidenz in Versorgungskonzepte und Leitlinien einzubeziehen.
Quelle: idw
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