Bei uns im Labor klingt es ganz anders. Und nicht nur bei uns. Auf meinen vorherigen Stellen war es ähnlich:
Frühdienst an den Spätdienst: „Tschüs, Anna, ich bin dann mal weg.“
„Ja, tschüs Christel. Wann sehen wir uns wieder?“
„Hm, morgen hab ich erst mal Nachtdienst. Bist du übermorgen im Früh?“
„Nein, da geh ich in die Nacht. Freitagmorgen?“
„Ja, stimmt, da löse ich dich ab. Bis Freitag!“
Oft endet das Gespräch auch am Dienstplan:
„Tschüs Anna, ich bin dann mal weg.“
„Ja, tschüs Christel. Wann sehen wir uns wieder? Bist du am Wochenende da?“
„Nur Samstag zum Spät. Und du?“
„Ich glaub, ich hab Früh am Samstag. Ach ne, oder Sonntag? Warte, lass uns mal gucken ...“
Und so geht man nicht aus der Türe raus und nach Hause, sondern läuft zurück zum Dienstplan.
„Ah, ne, du hast Sonntag.“
„Dann sehen wir uns erst wieder am ...“ … der Plan wird studiert ... „… am Dienstag.“
„Dann ruhiges Wochenende. Bis nächste Woche.“
„Wünsche ich dir auch. Bis dann.“
Noch schlimmer ist es vor Feiertagen.
Während man, vermute ich, im Büro am 23. Dezember gemütlich den PC schließt und sagt:
„So, Hannes, ich bin dann mal weg. Schöne Weihnachten dir und deiner Familie. Und dir auch, Kathrin!“
„Ja, schöne Weihnachten wünsch ich dir, Christel!“
... klingt es bei uns im Labor so:
„Tschüs Anna, ich bin dann mal weg. Ich wünsch dir schöne Weihnachten!“
„Sehen wir uns vor Weihnachten nicht mehr?“
„Ich glaub nicht. Ich hab am 23. die Nacht. Und du?“
„Ja, guck mal, ich muss am 24. morgens, dann löse ich dich ab. Dann tschüs bis zum 24.“
„Ja, tschüs, bis dann.“
Oder
„Tschüs Anna, ich bin dann mal weg. Sehen wir uns Weihnachten noch?“
„Ich weiß nicht. Ich bin am 1. früh da und am 2. spät. Und du?“
„Ich hab am 1. die Nacht. Wann bist du am 2. noch mal da?“
Da kommt Kollegin Hilde vorbei und sagt:
„Tschüs, schöne Weihnachten, wen ich nicht mehr sehe.“
„Musst du Weihnachten arbeiten?“
„Ja, am 24. spät und am 2. früh.“
Christel: „Dann sehen wir uns am 2.“
Anna: „Mich nicht. Dann schöne Weihnachten.“
Christel: „Doch Anna, am 2. löst du Hilde ab.“
„Sicher?“
Und schon laufen wieder alle zum Plan. Um sich danach erneut zu verabschieden.
Womöglich kann man psychologisch erklären, warum es uns so wichtig ist, uns zu einem festen Termin zu verabschieden.
Ist es die klare Struktur, die uns gerade beim unruhigen Schichtdienst wichtig ist?
Ich weiß es nicht. Klar ist jedoch, dass wir für diese Abschiedszeremonie gern ein paar Minuten länger bleiben.
Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert.
Entnommen aus MT im Dialog 02/2026
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