Aktualisierte S3-Leitlinie zum Endometriumkarzinom

Unnötige Eingriffe vermeiden
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Schaubild für Endometriumkarzinom.
© freshidea/stock.adobe.com
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Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie Endometriumkarzinom überarbeitet. Unter anderem gibt sie Hinweise zur Diagnostik und Therapie seltener histologischer Subtypen und erblicher Varianten.

Laut Robert Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich etwa 11.000 Frauen an Gebärmutterkörperkrebs. Damit ist die Tumorerkrankung hierzulande die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Das Endometriumkarzinom wird am häufigsten zwischen dem 70. und 84. Lebensjahr diagnostiziert. Da die Tumorart oftmals in einem frühen Stadium diagnostiziert wird, ist die Prognose günstig. Bei der Behandlung des Endometriumkarzinoms können eine Operation, Bestrahlung und/oder eine medikamentöse Therapie zum Einsatz kommen. Durch eine evidenzbasierte risikoadaptierte Therapie können beim Endometriumkarzinom mit geringem Risikoprofil unnötige Operationen und adjuvante Strahlen- und/oder Chemotherapien vermieden werden. „Dieser Ansatz reduziert deutlich die therapieinduzierte Morbidität und erhöht zeitgleich die Lebensqualität der Patientinnen. Die S3-Leitlinie gibt hier wichtige Empfehlungen, ohne die onkologische Sicherheit zu vernachlässigen“, so Professor Clemens Tempfer von der Universitäts-Frauenklinik der Ruhr-Universität Bochum. Gemeinsam mit Professorin Sara Brucker, Universitätsklinikum Tübingen, und Professor Eric Steiner, GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim, hat er die Leitlinie koordiniert.

Früherkennung und Diagnostik

Zu den neuen Statements und Empfehlungen gehören im Bereich der Früherkennung und Diagnostik u.a. eine Ergänzung der Empfehlung zur histologischen Abklärung bei asymptomatischen postmenopausalen Frauen mit einer Endometriumdicke gleich bzw. über 10mm, die Präzisierung der Bestimmung des HER2-Status bei allen serösen EC im primär fortgeschrittenen bzw. rezidivierten Zustand, eine Ergänzung der Anleitung zum intraoperativen Aufschneiden des Hysterektomiepräparates, die Präzisierung der technischen Aspekte der immunhistochemischen Bestimmung der MSI-Proteine sowie die Präzisierung der Identifikation von multiplen molekularen Veränderungen (sog. „multiple classifyers“).

Individualisierte Therapieentscheidungen treffen

Die Therapie des Endometriumkarzinoms orientiert sich unter anderem an der Risikobeurteilung der European Society of Gynaecological Oncology (ESGO), der European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO) und der Europäischen Gesellschaft für Pathologie (ESP). „Bei der Risikoeinteilung unterscheiden wir zwischen low risk, intermediate risk, high-intermediate risk und high risk“, erklärt Brucker. „Diese Einteilung hilft uns, individualisierte Therapieentscheidungen zu treffen.“ Je nach Risikoklasse können beim operativen Eingriff die Gebärmutter und der Gebärmutterhals inklusive der Eileiter vollständig entfernt werden. In einigen Fällen werden auch die Wächterlymphknoten entfernt. Mit der Sentinel-Node-Biopsie (SNB) wird überprüft, ob sich Tumorzellen im lokal angrenzenden Lymphknotengebiet ausgebreitet haben. „Die Leitlinie gibt Empfehlungen, wann genau eine Sentinel-Lymphadenektomie entsprechend der ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation durchgeführt werden soll. Sie bietet wichtige Hinweise zu Indikation, Art und Ausmaß der Lymphadenektomie“, so Brucker. 

Operation plus Chemo- und/oder Strahlentherapie?

Bei bestimmten Patientinnengruppen erfolge ergänzend zur Operation eine Chemo- und/oder Strahlentherapie. Auch hier biete die die ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation einen molekular-basierten individualisierten Ansatz zur Risikoabschätzung und Therapieplanung. Wenn die Tumorzellen ein bestimmtes molekulares Muster aufweisen und der Tumor komplett entfernt werden konnte, könne sogar gänzlich auf eine adjuvante Chemo- und Strahlentherapie verzichtet werden. „Patientinnen mit einer höheren Risikoklasse können beim primären Endometriumkarzinom eine vaginale Brachytherapie, eine perkutane Strahlentherapie des kleinen Beckens, eine Chemotherapie oder eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie erhalten. In der aktualisierten Leitlinie geben wir entsprechende Hinweise“, erklärt Steiner. 

Empfehlungen bei seltenen Tumoren

Darüber hinaus umfasse die S3-Leitlinie unter anderem Behandlungsempfehlungen bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien und bei seltenen Tumoren wie z. B. dem Karzinosarkom. Zudem liefere sie evidenzbasierte Hinweise zum Fertilitätserhalt. Die S3-Leitlinie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) sowie unter Mitwirkung von 35 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde die Überarbeitung von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie. 

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft e. V. 

#Krebs

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