Anhaltende Beschwerden nach Atemwegsinfektionen sind nicht selten
Nach einer Atemwegsinfektion erholen sich nicht alle Betroffenen vollständig. Bei einem Teil der Betroffenen bleiben Symptome auch nach Abklingen der Infektion bestehen. Solche Beschwerden, die mehr als zwölf Wochen nach der akuten Phase anhalten, werden als postakutes Infektionssyndrom (PAIS) bezeichnet.
„Von ausgeprägter Erschöpfung und geringer körperlicher Belastbarkeit bis hin zu Atemnot gibt es eine Vielzahl von Symptomen, die bei PAIS auftreten können. Die Beschwerden sind medizinisch oft schwer einzuordnen und entsprechend schwierig zu behandeln“, erklärt Prof. Dr. Rafael Mikolajczyk, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik an der Universitätsmedizin Halle und Letztautor der aktuellen Studie.
PAIS: Relativ häufiges und klinisch relevantes Phänomen
„Bisher fehlten Daten dazu, wie häufig PAIS in der Allgemeinbevölkerung nach der Corona-Pandemie auftritt, welche Beschwerden dabei auftreten und in welchem Umfang Betroffene medizinische Versorgung in Anspruch nehmen“, erklärt Jonas Frost, Erstautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universitätsmedizin Halle. Diesen Fragen ist das Studienteam für den Zeitraum von September 2024 bis August 2025 nachgegangen. Fast 47.000 Menschen berichteten rückblickend über ihre Erfahrungen.
„Unsere Analyse zeigt, dass PAIS ein relativ häufiges und klinisch relevantes Phänomen nach Atemwegsinfektionen ist und dabei nicht auf einen bestimmten Erreger beschränkt ist“, fasst Friederike Peter, Co-Erstautorin der Studie von der Universitätsmedizin Halle, die Ergebnisse zusammen.
Die Symptome ähnelten sich weitgehend – unabhängig vom Erreger
Knapp die Hälfte (48 Prozent aller Befragten) gab an, im genannten Zeitraum mindestens eine Atemwegsinfektion durchgemacht zu haben. Jüngere Menschen berichteten dabei häufiger von Infektionen. Rund 4.300 Personen (19 Prozent derjenigen mit einer Infektion) gaben an, danach mindestens zwölf Wochen unter Beschwerden gelitten zu haben. Mit zunehmendem Alter stieg das Risiko für langanhaltende Symptome kontinuierlich an: von 13 Prozent bei den 20- bis 29-Jährigen auf 21 Prozent bei den 60- bis 69-Jährigen.
Ein großer Teil der Personen mit anhaltenden Beschwerden nahm an einer Folgebefragung teil. Dabei zeigte sich: Die Symptome ähnelten sich weitgehend – unabhängig vom Erreger, der in einem Viertel der Fälle bekannt war. Insbesondere nach Corona- und Influenza-Infektionen zeigten sich dabei ähnliche Beschwerdebilder. Am häufigsten berichteten die Betroffenen, dass sie körperlich weniger belastbar waren, schneller außer Atem kamen, rasch erschöpft waren und weniger Energie hatten. Fast 90 Prozent gaben an, dass die Beschwerden ihren Alltag mäßig bis sehr stark beeinträchtigten.
Die Daten sind mit gewissen Unsicherheiten verbunden
Die Dauer der anhaltenden Symptome war bei Corona- und Influenza-Infektionen ähnlich. Innerhalb von zwölf Monaten waren rund 17 Prozent der langfristig Erkrankten wieder vollständig genesen. Bei der großen Mehrheit hielten die Beschwerden somit länger als ein Jahr an. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der potenziell von PAIS betroffenen Personen suchte medizinische Hilfe auf. Davon erhielten 82 Prozent eine medizinische Behandlung, die aber nicht näher spezifiziert wurde.
Da die Daten auf eigenen Angaben der Teilnehmenden beruhen, sind sie mit gewissen Unsicherheiten verbunden. „Es wurden nur Infektionen erfasst, an die sich die Befragten erinnern konnten. Intensive Verläufe blieben dabei vermutlich besser im Gedächtnis. Zudem ist es möglich, dass sich Menschen mit langanhaltenden Beschwerden eher an eine vorangegangene Infektion erinnern“, erläutert Studienautorin Peter.
Die Befragung erfragte außerdem nur, ob in dem Zeitraum mindestens eine Atemwegsinfektion aufgetreten war. Viele Menschen infizieren sich mehrmals im Jahr. Zudem wurden einige Angaben im weiteren Verlauf der Befragung noch einmal eingeordnet: Ein kleiner Teil der Beschwerden wurde von den Betroffenen nicht auf die Infektion zurückgeführt. „Insgesamt gehen wir von einem Risiko von 16 Prozent aus, nach einer Atemwegsinfektion innerhalb des abgefragten Zeitraums langanhaltende Beschwerden entwickelt zu haben, die den Kriterien für PAIS entsprechen“, so Studienautor Frost.
Quelle: idw
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