Wie unterscheiden sich COVID-19 und Grippe?
Immer noch vergleichen viele COVID-19 mit Influenza und behaupten, es sei ja „nur“ eine Grippe. Doch neue Studienergebnisse aus Tierversuchen zeigen erneut, dass das nicht stimmt. Das Forschungsteam der Tulane University fand heraus, dass zwar beide Viren bleibende Lungenschäden verursachen können, aber nur eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu anhaltenden Hirnentzündungen und Schädigungen kleiner Blutgefäße führt. Und dies selbst, nachdem das Virus nicht mehr nachweisbar war. Die gerade erst veröffentlichten Ergebnisse tragen dazu bei, zu erklären, warum Long COVID häufig neurologische Symptome wie Brain Fog, Konzentrationsschwierigkeiten, Fatigue und Stimmungsschwankungen umfasst, während Grippe häufiger mit Atemwegskomplikationen einhergeht.
Lungen- und Hirngewebe von Mäusen untersucht
„Grippe und COVID-19 betreffen weltweit große Bevölkerungsgruppen und haben erhebliche Auswirkungen auf das öffentliche Gesundheitswesen. Dennoch sind die Mechanismen ihrer Langzeitfolgen noch immer unzureichend erforscht“, so Dr. Xuebin Qin, Hauptautor und Professor für Mikrobiologie und Immunologie am Tulane National Biomedical Research Center. Um die Auswirkungen schwerer Atemwegsinfektionen von den spezifischen Effekten von COVID-19 zu unterscheiden, untersuchten Forscher mithilfe eines Mausmodells Lungen- und Hirngewebe nach Abklingen der Infektion. In der Lunge hinterließen demnach beide Viren ein ähnliches Bild: Immunzellen, die sich nicht vollständig zurückzogen, und eine vermehrte Ansammlung von Kollagen, einem Protein, das mit Narbenbildung in Verbindung gebracht wird. Diese Veränderungen können das Lungengewebe versteifen und das Atmen erschweren. Dies ist somit eine mögliche biologische Erklärung dafür, warum manche Menschen nach Atemwegsinfektionen über anhaltende Atemnot berichten.
Beeinträchtigt COVID-19 den Heilungsprozess der Lunge?
Bei genauerer Betrachtung entdeckte das Forschungsteam allerdings einen entscheidenden Unterschied. Nach der Grippe schien die Lunge in den Reparaturmodus zu wechseln und entsandte spezialisierte Zellen in die geschädigten Bereiche, um die Schleimhaut der Atemwege wieder aufzubauen. Diese Reparaturreaktion fehlte laut Studie nach einer COVID-19-Infektion weitgehend, was darauf hindeute, dass das Virus den natürlichen Heilungsprozess der Lunge beeinträchtigen könnte, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Größte Unterschiede im Gehirn zu beobachten
Obwohl keines der Viren direkt im Hirngewebe nachgewiesen werden konnte, hatten Mäuse, die an COVID-19 erkrankt waren, Wochen später Anzeichen einer anhaltenden Hirnentzündung sowie kleine Blutungen aufgewiesen. Genexpressionsanalysen zeigten eine fortwährende Entzündungsreaktion und eine Störung von Signalwegen, die an der Serotonin- und Dopaminregulation beteiligt sind, also den Systemen, die eng mit Stimmung, Kognition und Energieniveau verknüpft sind. Das Forschungsteam betont, dass diese anhaltenden Veränderungen dagegen weitgehend bei mit Influenza infizierten Tieren gefehlt hatten. „Bei beiden Infektionen beobachteten wir dauerhafte Lungenschäden“, sagt Qin. Langzeiteffekte im Gehirn seien jedoch einzigartig für SARS-CoV-2. Diese Unterscheidung sei somit entscheidend für das Verständnis von Long COVID. Entsprechend werfen die Ergebnisse der Studie ein neues Licht darauf, wie vaskuläre und immunologische Veränderungen zu anhaltenden neurologischen Symptomen beitragen können.
Quelle: Tulane University
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