Biomarker für Schizophrenie?

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Grafische Darstellung eines Kopfes mit Blick auf das Gehirn und die Synapsen
© AYDIN OZON/adobe.stock.com
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Um die Schizophrenie besser behandeln zu können, ist ein Verständnis der ablaufenden Prozesse im Gehirn wichtig. Forschende haben nun eine Verbindung zwischen kognitiven Beeinträchtigungen und einer zu geringen Anzahl Synapsen feststellen können.

Ein Forschungsteam um Florian Raabe, Leiter der Projektgruppe Translational Deep Phenotyping des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, und um Michael Ziller, Universität München, konnte Hinweise darauf finden, dass kognitive Beeinträchtigungen bei Menschen mit Schizophrenie mit einem Defizit in der Anzahl der Synapsen zusammenhängen. In einer früheren Studie zeigten sie bereits, dass Menschen mit Schizophrenie eine geringere Anzahl an Verbindungen der Nervenzellen aufweisen. Ob dieser Mangel mit den koginitiven Beeinträchtigungen zusammenhängt, stand noch nicht fest.

Positive und negative Symptome

Schizophrenie ist schwer zu behandeln, denn nicht alle Medikamente können alle Symptome behandeln. Die Erkrankung geht mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen einher, den sogenannten positiven Symptomen, da dies produktive Symptome sind, also zum Verhalten hinzufügen. Vorhandene Medikamente wirken vor allem für diese Symptome gut, jedoch nicht bei den negativ Symptomen und kognitiven Beeinträchtigungen, wie Motivationslosigkeit, sozialem Rückzug, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen. Diese beeinträchtigen Patientinnen und Patienten besonders stark im Alltag. Damit hier bessere Therapien entwickelt werden können, ist ein Verständnis der Zusammenhänge wichtig. 

In der aktuellen Studie untersuchten die Forschenden daher den Zusammenhang zwischen dem Mangel an Synapsen und kognitiven Beeinträchtigungen – mit Erfolg. Anhand von Blutproben stellten sie Stammzellen her, die dann zu Nervenzellen weiterentwickelt wurden. Aus diesen zellulären Daten der Neuronen und klinischen Daten (MRT, EEG und kognitive Ergebnisse) von mehr als 400 Patientinnen und Patienten sowie gesunden Personen konnten die Forschenden den Zusammenhang auf zellulärer und klinischer Ebene analysieren.

Zusammenhänge auf zellulärer Ebene

„Wir konnten erstmals zeigen: Je stärker die Beeinträchtigung der Synapsen auf zellulärer Ebene war, desto stärker waren auch die kognitiven Probleme bei den Patient*innen“, erläutert vom MPI. „Das ist der erste Hinweis darauf, dass die kognitiven Symptome bei Schizophrenie auf eine ganz konkrete biologische Ursache zurückgehen – und zwar auf eine verminderte Anzahl von Synapsen zwischen den Nervenzellen.“ Das Team vermutet weiter, dass es genetische Ursachen für den Mangel an Synapsen gibt. Diese Veränderungen am Gehirn können durch Umweltfaktoren weiter verstärkt werden und dann zu kognitiven Beeinträchtigungen führen.

Zudem haben die Ergebnisse einen besonderen Wert, da mithilfe einer Blutprobe Stammzellen und daraus Nervenzellen entwickelt werden konnten, die Hinweise auf die Erkrankung liefern. In Zukunft könnte dies zu zuverlässigen Biomarkern führen, die bei der Therapieentscheidung helfen.

Literatur:
Raabe FJ, Popovic D, Vetter C. et al.: Bridging the Scales via Personalized Cellular Modeling and Deep Phenotyping in Schizophrenia. JAMA Psychiatry, 28. März 2026; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2026.0576.

Quelle: idw

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