Ergebnisse des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels
Rund 50 Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft hatten im Juni 2026 am Gipfel teilgenommen und ihre Expertise eingebracht. „Wir wissen heute so viel wie nie zuvor darüber, wie Krebs verhindert werden kann. Aber wir schaffen es noch nicht, dieses Wissen umzusetzen“, so Prof. Rita Schmutzler, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe.
„Die Ergebnisse des Krebspräventionsgipfels zeigen sehr konkret, an welchen Stellen politisches Handeln erforderlich ist. Jetzt müssen die politischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, um dieses Wissen konsequent in die Praxis zu überführen,“ ergänzt Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).
Krebsprävention stärken – Gipfel erarbeitet Maßnahmen
Im Mittelpunkt des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels standen sechs zentrale Handlungsfelder. Die beteiligten Expertinnen und Experten empfehlen unter anderem, Prävention politisch ressortübergreifend stärker zu verankern, die Erfahrungen erfolgreicher Modellprojekte bundesweit nutzbar zu machen, Schulen stärker in den Blick zu nehmen, lokale Präventionsstrukturen auszubauen und den volkswirtschaftlichen Nutzen von Prävention systematisch sichtbar zu machen.
Ein starker Hebel sind zudem Maßnahmen, die es den Menschen leichter machen, sich gesundheitsbewusst zu verhalten – die sogenannte Verhältnisprävention. Hier sehen viele Fachleute erheblichen politischen Nachholbedarf. Beispielsweise werden Tabak und Alkohol in Deutschland deutlich geringer besteuert als in anderen europäischen Ländern, in denen sich höhere Steuern als Lenkungsmaßnahme bewährt haben.
Bei der Veranstaltung fand Prof. Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung deutliche Worte: Tabak verursache allein im Gesundheitswesen Kosten von 30 Milliarden Euro pro Jahr, welche in Form von Steuererhöhungen auf Rauchende umgelegt werden müssten. Gleichzeitig erinnerte er an das Potenzial der Krebsprävention. Vier von zehn Krebserkrankungen könnten durch kluge Prävention verhindert werden – diese Zahl sieht er als Verpflichtung.
Politik signalisiert größere Offenheit für Prävention
Beim Gipfel wurde deutlich, dass Krebsprävention auf wachsendes politisches Interesse stößt. Johannes Wagner, MdB (Bündnis90/ Die Grünen) kündigte die Gründung eines fraktionsübergreifenden „Parlamentskreises Prävention“ an, um Prävention auf parlamentarischer Ebene zu stärken – was Ende Juni 2026 bereits in die Tat umgesetzt wurde. Kurze Zeit später startete das Bundesgesundheitsministerium eine Präventionsoffensive.
Dies sehen die Veranstalter als wichtige Signale. Zugleich betonen sie, dass die Herausforderungen im Bereich der Krebsprävention nicht durch einzelne Projekte oder Modellvorhaben gelöst werden können. „Jetzt braucht es den politischen Willen, Prävention konsequent und langfristig zu stärken. Wir erwarten, dass die neue Offenheit für das Thema auch unter der neuen Führung im Bundesgesundheitsministerium in konkrete Entscheidungen mündet“, sagt Schmutzler.
Prävention ist eine Investition in Gesundheit und Zukunft
Rund 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen gelten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als vermeidbar. Gleichzeitig stehen die Gesundheitssysteme zunehmend unter finanziellem Druck. „Die Kosten im Gesundheitssystem explodieren – gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Prävention zu stärken“, sagt Baumann.
„Wer Prävention fördert, senkt nicht nur das Risiko für Krebs und viele weitere nichtübertragbare Krankheiten, sondern entlastet langfristig auch das Gesundheitswesen und die sozialen Sicherungssysteme. Wir brauchen eine Präventionsdekade, die Präventionskonzepte systematisch wissenschaftlich weiterentwickelt und in die Anwendung überführt.“
Mit dem Nationalen Krebspräventionsgipfel wollen Deutsche Krebshilfe und DKFZ den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik weiter stärken. Die beim Gipfel erarbeiteten Maßnahmen sollen in politische Entscheidungsprozesse auf Bundes- und Länderebene eingebracht werden.
Quelle: idw
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