EU-Groß-Projekte für Alzheimer-Diagnostik und -Versorgung

LMU Klinikum übernimmt zentrale Rolle
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Das Bild zeigt eine Person, die in einem Stuhl sitzt, umgeben von einem dynamischen visuellen Effekt aus schwebenden Fragmenten. Die Umgebung wirkt gemütlich und umfasst Regale, Pflanzen und dekorative Elemente, was auf eine entspannte Atmosphäre hinweist.
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Mit ACCESS AD startet ein auf fünf Jahre angelegtes europäisches Projekt, das die Diagnostik, Behandlung und langfristige Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Alzheimer-Erkrankung nachhaltig verbessern soll.

Mit der EU-Zulassung der ersten, an der Ursache der Erkrankung ansetzenden Medikamente gegen die frühe Alzheimer-Krankheit im Jahr 2025 hat sich ein neues Kapitel in der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen eröffnet. Gleichzeitig stellen lange Wartezeiten, begrenzte Ressourcen und steigender Bedarf an spezialisierten Untersuchungen viele Gesundheitssysteme - auch das deutsche - vor große Herausforderungen.

Versorgungslücke schließen

„Die Einführung der neuen Therapien ist zwar ein wissenschaftlicher Durchbruch“, sagt Prof. Robert Perneczky, Leiter der Abteilung für Psychische Gesundheit im Alter und des Alzheimer Therapie- und Forschungszentrums des LMU Klinikums: „Entscheidend ist aber, ob wir diese Fortschritte zeitnah, sicher und für alle zugänglich in die Regelversorgung bringen. ACCESS AD bietet die Chance, europaweit Versorgungsstrukturen zu schaffen, die Patientinnen und Patienten eine moderne personalisierte Diagnostik und Therapie ermöglichen.“ Dafür entwickeln und erproben die Beteiligten „ein integriertes Versorgungskonzept entlang des gesamten Krankheitsverlaufs.“

Beispiel: Kürzlich wurden in einem Modellprojekt in rund 20 Münchner Apotheken Tablets installiert, mit denen die älteren Kunden einen Gedächtnistest machen und einige Fragen beantworten können. Eine eigens dafür entwickelte digitale Plattform in Zusammenarbeit mit dem Technologie-Start-Up Medotrax übernimmt die Auswertung und gibt Hinweise auf das individuelle Risiko. Im Zuge dessen bekommen die Betroffenen Adressen von Anlaufstellen, die gezielt über Präventionsmaßnahmen informieren – „was man machen kann, damit das Gehirn fit bleibt“, wie Perneczky sagt.

Bisherige Ergebnisse des Münchner Teams

Als eine der führenden Gruppen in diesem Bereich übernimmt das Team um Prof. Perneczky zentrale Aufgaben bei der Ausgestaltung von Diagnostikpfaden, beim Erheben und Bewerten realweltlicher Patientendaten sowie bei der Umsetzung neuer Monitoring-Strategien. In ihren Arbeiten hat die Münchner Gruppe bereits untersucht, wie sich Alzheimer zum Beispiel mit bestimmten Biomarkern früher erkennen lässt, wie künstliche Intelligenz (KI) dabei helfen kann, wie man die Therapie verbessern und mit einem entsprechenden Lebensstil – gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, gutes soziales Netzwerk - den Ausbruch einer Demenz verzögern oder verhindern kann.

So ist das LMU Klinikum auch dem europäischen Projekt „AD RIDDLE“ beigetreten, das – mit einem Gesamtbudget von mehr als 31 Millionen Euro - digitale und KI-gestützte Lösungen und Biomarker zur frühzeitigen Erkennung, Risikoabschätzung und Prävention der Alzheimer-Erkrankung entwickelt. Die Beteiligung an beiden Großinitiativen unterstreicht die zentrale Rolle des LMU Klinikums bei der Gestaltung moderner, europaweit anschlussfähiger Alzheimer-Versorgungsstrukturen.

Die neuen Therapien gegen Alzheimer – offene Fragen

Zudem wollen die Forschenden im Zuge von ACCESS-AD in großem Stil prüfen, wie wirksam und sicher die ersten neuen Therapien gegen Alzheimer sind. Zwar werden die offiziell in Europa zugelassenen Medikamente Lecanemab und Donanemab auch in Deutschland schon verordnet. Das letzte Wort über den künftigen Einsatz hierzulande spricht in den kommenden Wochen allerdings der Gemeinsame Bundesausschuss. Unabhängig von der Entscheidung nutzt ACCESS-AD ein internationales Real-World-Datenregister zur Bewertung von Sicherheit und Wirksamkeit moderner Therapien unter Leitung von Prof. Perneczky.

Last not least „wollen wir bei ACCESS-AD auch untersuchen, ob man die neuen Medikamente in der klinischen Praxis mehr Patientengruppen zur Verfügung stellen kann.“ Bisher sind zum Beispiel Menschen mit ausgeprägten Veränderungen der Hirngefäße von den neuen Therapien ausgeschlossen. Unterm Strich ist ACCESS-AD ein, so Perneczky, „pragmatisches Projekt, das nicht nur akademischer Natur ist, sondern von dem Patienten und Patientinnen wirklich profitieren können.“

Quelle: idw

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