Auf dem 32. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) vom 25. bis 27. Juni in Leipzig wurden zahlreiche innovative klinische Studien vorgestellt und diskutiert. Das an der Universitäts-Strahlenklinik in Tübingen entwickelte, neuartige Behandlungskonzept auf Grundlage einer Magnetresonanztomographie (MR)-geführten Dosiseskalation beim Rektumkarzinom (MARS) hat es dabei in eine Highlight-Sitzung geschafft.
Wie der Studienleiter, Prof. Cihan Gani erläutert, wird dabei zusätzlich zur Standard-Radiochemotherapie (also 25-28 Fraktionen mit 1,8-2 Gy über circa 5 Wochen mit simultaner, intravenöser oder oraler Chemotherapie mit Fluoropyrimidin) einmal wöchentlich eine online-adaptive Dosisaufsättigung mit jeweils 3 Gy (sogenannte Boost-Bestrahlung) des Enddarmtumors sowie vergrößert-suspekter Lymphknoten durchgeführt. Dies gelingt durch einen speziellen Linearbeschleuniger (1,5T-MR-Linac), der eine Kombination aus tagesaktueller Bildgebung mittels Magnetresonanztomographie sowie darauf basierender, hochpräziser Strahlführung ermöglicht.
Zunächst Verzicht auf eine radikale Operation
Das interdisziplinäre Behandlungsteam aus Tübingen berichtete in Leipzig über die ersten 34 nach dem MARS-Schema behandelten Patientinnen und Patienten mit lokal-fortgeschrittenen Enddarmtumoren. Von diesen hatten bei der ersten Beurteilung des Tumoransprechens nach Abschluss der Behandlung 31/34 (91%) keinen oder nur noch einen minimalen Resttumor im Enddarm, sodass diesen Patientinnen und Patienten zunächst der Verzicht auf eine radikale Operation angeboten werden konnte.
Die Patientinnen und Patienten wurden dann weiter engmaschig verfolgt; nach 2 Jahren lag der Prozentsatz der Patientinnen und Patienten, die keiner radikale Operation bedurften, immer noch bei 83%. „Natürlich brauchen wir noch eine längere Nachbeobachtungszeit und ein größeres so behandeltes Patientenkollektiv.“, schränkt der Sprecher der Deutschen Rektumkarzinom-Studiengruppe und Kongresspräsident 2026, Prof. Claus Rödel, ein, „aber die bisherigen Studienergebnisse aus Tübingen sind vielversprechend, zumal auch die Funktion des erhaltenen Enddarms (gemessen mit spezifischen Scores: Wexner und LARS) trotz Dosiseskalation der Radiotherapie keine wesentliche Verschlechterung zu den Ausgangswerten aufwies.“
Die neuesten Entwicklungen der multimodalen Krebstherapie
Diese und weitere klinische Studien zum Funktions- und Organerhalt, zum Beispiel auch des Prostata-, Harnblasen-, Anal- und Speiseröhrenkarzinoms standen beim diesjährigen DEGRO 2026 im Fokus. „Wir diskutieren in interdisziplinären und interprofessionellen Symposien über die neuesten Entwicklungen der multimodalen Krebstherapie – der Erhalt funktionsfähiger Organe ist dabei sehr wichtig für die Lebensqualität der Patienten“, freut sich Kongresspräsidentin Prof. Ursula Neste, ganz dem diesjährigen Motto folgend: „Radioonkologie - mehr als die Summe Ihrer Teile.“
Quelle: idw
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