Gedächtnisverlust an Östrogenlevel gekoppelt

Menopause
mg
Wörterbucheintrag zur Menopause, das Wort ist pink markiert
© Feng Yu/stock.adobe.com
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Frauen haben ein höheres Risiko an Alzheimer zu erkranken. Eine neue Studie zeigt, dass der Grund im sinkenden Östrogenlevel während der Menopause liegen könnte.

In den USA sind 2/3 der Alzheimererkrankten weiblich, wieso ist bisher jedoch nicht ganz klar. In einer aktuellen Studie untersuchten Forschende junge sowie alte weibliche und männliche Mäuse mit und ohne dem Verlust von Östrogen im Gehirn und dessen Auswirkungen. Schon lange diskutieren Forschende darüber, dass der natürliche Schutz des Gehirns nach der Menopause durch den sinkenden Östrogenspiegel verloren geht und es dadurch leichter zu neurodegenerativen Erkrankungen kommt. Durch die Beobachtung der Mäuse konnten die Forschenden nun erkennen, dass vor allem ältere weibliche Mäuse unter den Effekten des sinkenden Östrogenlevels leiden, nicht die männlichen. So hängt ein Östrogenmangel eng mit Problemen der extrazellulären Matrix des Gehirns zusammen, ein Netzwerk im Hippocampus und entscheidend für die Gehirngesundheit.

Extrazelluläre Matrix entscheidend

Die extrazelluläre Matrix ist ein Netzwerk an Molekülen das den Platz zwischen den Gehirnzellen ausfüllt – wie der Mörtel zwischen Ziegelsteinen. Sie ist entscheidend für die Gehirngesundheit, das Gedächtnis, die Entwicklung des Gehirns und macht etwa 20 % des Gehirnvolumens aus. Während sich die Forschung bisher meist auf die Nervenzellen konzentrierte, wurde der Platz zwischen den Zellen meist außen vor gelassen. In dieser Studie hingegen konzentrierte man sich auf den Östrogenmangel in der extrazellulären Matrix.

Im Mausmodell untersuchten die Forschenden Mäuse, denen Aromatase fehlte, ein Enzym zur Produktion von Östrogen, entweder im gesamten Körper oder nur im Gehirn. Anschließend beobachteten sie, wie der Östrogenmangel sich auswirkt. Außerdem untersuchten die Forschenden Veränderungen in der Genexpression des gesamten Genoms im Hippocampus.

Vor der Menopause produzieren die Eierstöcke den größten Anteil des Östrogens bei Frauen. Nach der Menopause sinkt das Östrogen dramatisch und nur ein kleiner Anteil wird noch in anderen Bereichen des Körpers produziert, inklusive des Fettgewebes, den Knochen, der Brust und auch dem Gehirn. Ärztinnen und Ärzte sollten den Östrogenspiegel bei Frauen während und nach der Menopause im Gehirn genauer im Blick haben. Denn wenn die Gehirnleistung und das Gedächtnis einmal weg sind, kommt die Funktion nicht wieder. Zudem unterstützten die neuen Erkenntnisse die bisherige Annahme, dass Frauen mit Alzheimer sogar noch stärker unter Östrogenmangel im Gehirn leiden als Frauen ohne Alzheimer. Zukünftige Studien sollten sich auch auf die Veränderungen der extrazellulären Matrix bei Frauen nach den Wechseljahren konzentrieren.

Therapiemöglichkeiten

Eine bereits erforschte Möglichkeit, Frauen vor Alzheimer zu schützen ist die Hormonersatztherapie (HRT). Hierbei soll das Östrogenlevel wieder angehoben werden. Die hierzu durchgeführten Studien bringen bisher jedoch gemischte Ergebnisse. In manchen scheint die HRT zu wirken und das Gedächtnis und kognitive Funktionen zu verbessern, während in anderen Studien nur wenig positive Effekte zu beobachten waren oder es sogar negative Effekte hatte. Die unterschiedlichen Ergebnisse könnten unter anderem auf das Alter, in dem die Therapie gestartet wurde, und auf die Art der Therapie zurückzuführen sein.

Auch für die Alzheimererkrankung bieten diese Ergebnisse der Studie einen neuen Therapieansatz. So könnte durch die Wiederherstellung der extrazellulären Matrix das Gehirn wieder besser geschützt werden. Bisher konzentrieren sich die verfügbaren Therapien auf den Abbau der Plaque-Ablagerungen von Amyloid-beta. Dennoch ist weiter unklar, inwiefern diese Therapie das tägliche Leben und die Gedächtnisfunktionen wiederherstellen können. 

Literatur:
Piehl, NC, Halle AW, Rodriguez G. et al.: Loss of Brain-Derived Estrogen Is Associated With Sex- and Age-Dependent Alterations in Memory, Affective Behavior, and Hippocampal Extracellular Matrix Gene Expression. Aging Cell 25, no. 6: e70551 (2026); DOI: 10.1111/acel.70551.

Quelle: Northwestern University

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