Hochrisiko-Leukämie im Kindesalter: Durchbruch bei der Therapie

Immuntherapie senkt Rückfälle und reduziert schwere Nebenwirkungen der Chemotherapie deutlich
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Eine erwachsene Hand hält behutsam die Hand eines Kindes im Krankenhausbett. Ein Venenzugang ist sichtbar.
© Khunatorn/stock.adobe.com
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Für Kinder mit einer besonders risikoreichen Form der akuten lymphatischen Leukämie und hohem Rückfallrisiko eröffnen sich deutlich bessere Heilungschancen.

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 550 bis 600 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neu daran. Mit intensiver Chemotherapie können heute etwa 90 Prozent der betroffenen Kinder langfristig geheilt werden. Etwa jedes fünfte Kind mit ALL gehört jedoch zur Gruppe der Hochrisikopatientinnen und -patienten.

Bei ihnen ist die Gefahr sehr groß, dass die Krankheit zurückkehrt. Sie erhalten deshalb bislang eine besonders starke Chemotherapie. Diese soll Rückfälle verhindern, kann aber schwere und zum Teil lebensbedrohliche Nebenwirkungen auslösen.

Rückfälle nahezu halbiert

In einer jetzt veröffentlichten Studie konnte ein internationales Forschungsteam zeigen: Werden zwei hochintensive Chemotherapie-Blöcke durch zwei Zyklen der Immuntherapie mit Blinatumomab ersetzt, sinkt die Zahl der Krankheitsrückfälle nahezu um die Hälfte. Gleichzeitig treten deutlich weniger schwere Nebenwirkungen auf.

Blinatumomab nutzt das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen die Leukämie. Der Wirkstoff bringt Abwehrzellen des Körpers, sogenannte T-Zellen, gezielt mit Leukämiezellen zusammen. So können sie die Immunzellen die Krebszellen besser erkennen und zerstören.

An der Studie unter Leitung des ALL-BFM-Studienzentrums (Acute Lymphoblastic Leukemia Berlin-Frankfurt-Münster) der Klinik für Kinderonkologie und -rheumatologie am UKSH, Campus Kiel, beteiligten sich mehr als 100 Studienzentren in acht Ländern. Ein Teil der Kinder erhielt die bisher beste Standardtherapie. Bei den anderen Kindern wurden zwei besonders intensive Chemotherapie-Blöcke durch Blinatumomab ersetzt. Die Zuteilung zu den Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip (Randomisierung).

Immuntherapie eröffnet neue Perspektiven

„Diese Ergebnisse stellen einen Durchbruch in der Therapie von Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie dar“, sagt Prof. Dr. Martin Schrappe, Leiter der Studie und Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). „Wir konnten erstmals zeigen, dass eine Immuntherapie in der Erstbehandlung der ALL nicht nur zusätzlich zur Chemotherapie helfen kann, sondern besonders belastende Chemotherapie auch ersetzen kann.“

„Die Ergebnisse machen uns sehr zuversichtlich“, sagt Prof. Dr. Gunnar Cario, Leiter des ALL-BFM-Studienzentrums und Direktor der Klinik für Kinderonkologie und -rheumatologie am UKSH, Campus Kiel. „Unser Ziel ist es, auch bei weiteren Patientengruppen Chemotherapien durch wirksamere und besser verträgliche Immuntherapien zu ersetzen. Eine entsprechende Studie wird noch in diesem Jahr starten.“ Sie wird, wie auch die jetzt veröffentlichte Studie, maßgeblich durch Fördermittel der Deutschen Krebshilfe ermöglicht.

Quelle: Deutsche Krebshilfe

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