Innere Medizin: Paradigmenwechsel sind erkennbar

132. Kongress der DGIM
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Eine Hand hält Dominosteine auf.
© Andrey Popov/stock.adobe.com
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Vom 18. bis 21. April 2026 findet im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden sowie online der 132. Internistenkongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. statt. Das Motto lautet „Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin – die Zukunft gestalten“.

Bei der Vorab-Pressekonferenz zum bevorstehenden 132. Internistenkongress hatte Professorin Dr. med. Dagmar Führer-Sakel, Vorsitzende der DGIM 2025/2026 und Kongresspräsidentin sowie Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen unter dem Titel „Prävention statt Reparatur“ das Kongressprogramm vorgestellt. Sie betonte, dass die Prävention der Bereich in der Medizin sei, bei dem umgedacht werden müsse. Sie erwähnte dabei den Wissenschaftsrat, der Prävention als systemrelevant eingestuft hatte. Zudem habe die Leopoldina Adipositas mit dem Fokuspapier als gesamtgesellschaftliche Herausforderung bezeichnet. 

Cholesterin bleibt eine Herausforderung

Zugeschaltet war Professor Dr. med Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie, Universitätsklinikum Leipzig, von der 92. DGK-Jahrestagung. Er erläuterte, warum Blutfette so wichtig sind, um Risiken zu erkennen, bevor Gefäße geschädigt werden. Die vielen Toten durch kardiovaskuläre Erkrankungen seien verhinderbar. Ein hoher Cholesterinwert reiche aus, um Arteriosklerose zu bekommen. Neben dem Stopp des Rauchens und Bewegung sowie gesunder Ernährung plädierte Laufs für frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen. So liege die Prävalenz von familiärer Hypercholesterinämie bei 1: 250. Damit sollten eigentlich auch Kinder schon untersucht werden, um möglichst früh eingreifen zu können. Einmal im Leben sollte zudem der Lipoprotein(a) Wert gemessen werden. Hierzu könnte es für Risikopatienten Ende des Jahres eine neue Therapieform geben.  

Kostenloses Lungenscreening startet durch

Professor Dr. med. Tim O. Hirche, Direktor der Klinik für Pneumologie an den HELIOS Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, führte aus, warum das kostenloses Lungenkrebsscreening für Raucher Sinn mache. Die tödliche Erkrankung Lungenkrebs werde oft zu spät diagnostiziert und eine Heilung sei dann nicht mehr möglich. Da mehr als 90 % der Fälle von Rauchern stammen, sei die Konzentration auf die Hochrisikogruppe sinnvoll. Zudem sei es inzwischen möglich, mit der roboterassistierten Bronchoskopie sehr gut Proben zu entnehmen, ohne ein großes Risiko. Für Hausärzte gebe es zum Screening eine Qualifikation, die in einer Stunde abzuleisten sei. Dass das neue Screening auch ökonomisch Sinn mache, rechnete er mit den Kosten für die palliative Versorgung mit neuen Immuntherapien vor, die schnell das Sozialsystem sprengen könnten.

Neue Möglichkeiten in der Diabetesversorgung 

Die neuen Möglichkeiten der Diabetesversorgung stellte Dr. med. Annie Mathew, Oberärztin an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Uniklinikum Essen, vor. Unter dem Begriff digitale Bauchspeicheldrüse werden die neuen Technologien zusammengefasst. Es gehe dabei um die Sensoren, die Algorithmen zur Auswertung und die Insulinpumpen. Wichtig sei beim Einsatz aber eine gute Schulung und Betreuung. Erreicht werden könne weniger Unterzuckerung und eine Steigerung der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten. Als zweite zentrale Botschaft hob Mathew Teplizumab hervor, das erstmals eine frühe Immunprävention des Typ-1-Diabetes möglich mache. In der zulassungsrelevanten Studie mit 76 Personen habe eine einmalige 14-tägige Behandlung den Übergang zu Stadium 3 im Mittel auf etwa 50 Monate gegenüber etwa 25 Monaten unter Placebo verzögert. Damit könnten Betroffene und Familien Zeit gewinnen ohne manifeste Erkrankung, ohne unmittelbare Insulinpflicht und mit besserer Möglichkeit zur Vorbereitung und Schulung. In Essen habe man einen ersten Patienten damit behandelt. Es habe sich um einen 22-jährigen Patienten gehandelt, der sehr motiviert gewesen sei. Da es tägliche Infusionen gebe, sei ein enger Abstimmungs- und Schulungsbedarf sowie Laborkontrollen nötig. Auch die Nebenwirkungen müssten kontrolliert werden. 

ÖGD übernimmt wichtige Aufgaben

Milena Löbcke, Stadträtin und Gesundheitsdezernentin der Landeshauptstadt Wiesbaden, ging auf die Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) für die Prävention ein. Auf kommunaler Ebene werde diese Funktion insbesondere durch die rund 400 Gesundheitsämter umgesetzt. Ein zentraler Bestandteil sei bspw. die Schuleingangsuntersuchung oder zahnärztliche Reihenuntersuchungen. Auffälligkeiten könne man frühzeitig begegnen und damit Folgekosten senken. Prävention sei nicht als ergänzende Aufgabe, sondern als wesentlicher Bestandteil einer zukunftsfähigen kommunalen Gesundheitsstruktur zu verstehen.

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