Auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin ist ein Modellprojekt aus dem Saarland ausgestellt. Ab September soll das Spezialfahrzeug mit Hightech-Diagnostik eingesetzt werden. Der Truck ist fast zehn Meter lang, 2,60 Meter breit, 3,70 Meter hoch und zwölf Tonnen schwer; ausgestattet mit allem, was in eine klinische Notaufnahme gehört: Computertomograf, Sonografie-, Röntgen- und Ultraschallgeräte, EEG, EKG und eine Laborausstattung. Sogar eine smarte Datenbrille und jede Menge Technologie assistieren digital und ermöglichen die Kommunikation mit zugeschalteten Fachärzten. Das Modellprojekt aus dem Saarland bringt moderne Medizintechnik zu Menschen, für die Klinikbesuche wegen Alter oder Krankheit eine Herausforderung sind. Damit entlastet es Notaufnahmen, Diagnosezentren und Pflegeteams. So sollen Klinikeinweisungen nur zu Diagnosezwecken reduziert, die ambulante ärztliche und pflegerische Versorgung in der vertrauten Umgebung gesichert und der finanzielle Aufwand der Kranken- und Pflegekassen nachhaltig reduziert werden.
Projekt DIKOM auch mit Technologen
Initiator des Projektes „Diagnostik-Konsil im Pflegeheim mittels Geriatrie-Unit – DIKOM“ war der langjährige Direktor der Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, Professor Klaus Faßbender. Er entwickelte gemeinsam mit Medizintechnik-Unternehmen ein Konzept für das Modell-Fahrzeug. Zwölf Konsortial- und 33 Kooperationspartner setzten es um – ein Homburger Spezial-Autobauer baute den Truck. Im Modell-Truck eingesetzt sind Fachärzte mit unterschiedlichen Schwerpunkten, gemeinsam mit Medizinischen Technologen für Radiologie und Notfallsanitätern. Bei den Untersuchungen werden nach Bedarf Fachärztinnen und -ärzte aus kooperierenden Kliniken und Praxen live hinzugezogen. „Diese Kombination aus mobiler Diagnose und telemedizinischer Expertise, vertraglich verbunden mit niedergelassenen Ärzten und stationären Pflegereinrichtungen, begründet eine neuartige Versorgungsform, die eine große Lücke in der geriatrischen Versorgung schließt“, sagt Professor Klaus Faßbender.
Damit die diagnostischen Geräte an Bord des Medizin-Trucks geschützt und zuverlässig betrieben werden können und die Vernetzung diverser Fachärzte sichergestellt ist, wurden bestehende medizinische Softwarelösungen angepasst und Schnittstellen sowie Kommunikationswege neu entwickelt. Eine besondere Herausforderung war die energetische Versorgung: Damit alle Geräte parallel zur digitalen Vernetzung und zur telemedizinischen Kommunikation laufen können, wurde ein leistungsfähiges Batteriesystem entwickelt. Diese nachts geladenen Batterien halten tagsüber alles dauerhaft einsatzbereit. Dabei kommen verschlüsselte Datenübertragungssysteme zum Einsatz, mit denen Befunde sicher und schnell übermittelt werden können. Ein virtuelles Cockpit unterstützt die CT-Diagnostik: Die Befunde der Radiologen im Diagnosezentrum werden telemedizinisch übertragen. Zwei Röntgenstrahlen emittierende Geräte können auf engstem Raum sicher betrieben werden.
Echtbetrieb ab September
Ab September des Jahres 2026 geht die „Diagnostik auf Rädern“ im Rahmen des mit mehr als acht Millionen Euro geförderten Innovationsfonds-Modells des Gemeinsamen Bundesausschusses, dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, in der Modellregion-Saarland auf Tour. Der Diagnostik-LKW soll rund 4.000 Heimbewohner in rund 50 Pflegeheimen versorgen. Die Einsätze werden durch eine gesundheitsökonomische und eine die Versorgungsprozesse überprüfende Evaluation bewertet. Unterstützt wird es durch die Saarländische Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen, die saarländischen Diagnostikexperten von Xcare, das Caritasklinikum Lebach sowie verschiedene Institute des Universitätsklinikums des Saarlandes. Projektträger ist die Universität des Saarlandes. Der Versorgungsprozess wird vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) und dem Berliner Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) wissenschaftlich begleitet.
Besichtigung möglich!
Bevor die aktive Modellphase startet, ist der Diagnostik-LKW vom 23. bis 25. Juni auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin zu besichtigen: Im Hub an der Messe stellt das Konsortium das Konzept des „Mobile Geriatrie Unit“ vor. Alle Unternehmen und Fachexperten, die an Entwicklung und Ausbau des Modells beteiligt sind, präsentieren sich auf dem „DIKOM-Innovations-CAMPUS“ rund um den Truck. Fachpublikum und Messebesucher erhalten Führungen durch das Fahrzeug. Daneben finden in Ausstellungsforum Veranstaltungen und Expertengespräche statt.
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