Eine internationale Studie zeigt: Die medizinische Versorgung von trans*Personen ist immer noch ausbaufähig. Es gibt deutliche Mängel und Zugangsbarrieren. Vor welchen Herausforderungen trans*Personen im Deutschen Gesundheitssystem stehen und inwiefern Versorgende für die trans*Versorgung geschult werden sollen, soll mit der Studie Trans*Power gezeigt werden. Ein Forschungsteam des Instituts für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover führt diese zusammen mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen durch. Die Studie ist seit Oktober 2025 aktiv und läuft noch bis zum September 2029.
Gesundheitliche Herausforderungen bei trans*Personen
Als trans*Personen werden Menschen bezeichnet, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren. Laut der Deutschen Gesellschaft für Trans*- und Intergeschlechtlichkeit handelt es sich dabei um rund 0,6 Prozent der deutschen Bevölkerung. Einige trans*Personen machen eine Transition, also eine Änderung des ihnen zugewiesenen Geschlechts zu einem selbstbestimmten Geschlecht. Diese kann medizinische Belange, wie eine Hormonersatztherapie oder eine geschlechtsangleichende Operation beinhalten.
Aufgrund der negativen Haltung der Gesellschaft leiden trans*Personen durchschnittlich häufiger an psychischen Problemen. Auch Suchterkrankungen sowie Herz- und Gefäßerkrankungen treten häufiger auf, wie eine anglo-amerikanische Studie zeige, erklärt Prof. Dr. Stephanie Stiel vom MHH-Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin. Wie es um die gesundheitliche Versorgung von trans* Personen in Deutschland steht, wollen Projektleiterin von Trans*power und ihr Team nun herausfinden.
Fokus liegt auf der ambulanten Versorgung
Versorgende sowie nahestehende Personen von trans*Personen werden ebenfalls mit in die Studie einbezogen. Ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen hinsichtlich der medizinischen Versorgung werden mit Interviews und Online-Befragungen festgehalten. „Ambulant Versorgende spielen eine zentrale Rolle bei der Behandlung von trans* Personen“, erläutert Professorin Stiel. Der Fokus der Studie liegt auf der ambulanten Versorgung, da diese Praxen meist die erste Anlaufstelle sind. In die Untersuchung mit einbezogen werden die Fachbereiche Allgemeinmedizin, Pädiatrie, Psychologie, Psychiatrie, Urologie und Gynäkologie.
Vor allem die spezifischen Versorgungsleistungen von trans*Personen sollen untersucht werden und aufzeigen, welche Lücken im Lehrplan des Medizinstudiums zu identifizieren sind. Denn eine systematische Verankerung der Versorgung von trans*Personen im Curriculum hat noch nicht stattgefunden.
Klare Handlungsempfehlungen
Professorin Stiel betont, dass trans*Personen eine auf ihre spezifischen gesundheitlichen Bedarfe zugeschnittene Versorgung ohne Diskriminierung und ohne Zugangsbarrieren erhalten sollen. Das Projekt soll zu dem Thema sensibilisieren und dazu dienen, klare Handlungsempfehlungen und Leitlinien für Versorgende zu schaffen.
Quelle: IDW
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