Neuer zentraler Bestandteil des Hörens
Fürs Hören spielen die äußeren Haarzellen eine zentrale Rolle. Im Innenohr sorgt Schall zunächst für eine mechanische Schwingung der Haarzellen, die dann in elektrische Signale übersetzt werden muss, damit das Gehirn es versteht. Die äußeren Haarzellen sind der biologische Verstärker dieser mechanischen Schallschwingungen und essenziell für die Übertragung in elektrische Signale. Dafür müssen die Haarzellen jedoch fest verankert sein mit der Tektorialmembran. Genau hier konnten die Forschenden der Philipps-Universität Marburg eine neue Entdeckung machen.
Sicherung der mechanischen Verbindung
In der Studie zeigen die Forschenden, dass das Protein TMEM145 eine zentrale Rolle fürs Hören spielt, da es die mechanische Verbindung der Sinneshärchen (Stereozilien) zur Tektorialmembran organisiert. TMEM145 ist ein essenzieller Bestandteil der äußeren Haarzellen im Innenohr und sitzt an den Spitzen der Stereozilien. Es besitzt eine ringförmige Struktur und überträgt die Schallschwingungen auf die Stereozilien. In der Studie konnten die Forschenden im Mausmodell nachweisen, dass ohne TMEM145 die Haarzellen die mechanische Ankopplung verlieren. In den Mäusen führte dies zu einem schweren Hörverlust und zum Ausfall der Verstärkerfunktion der Hörschnecke.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass TMEM145 als molekulares Verankerungs- und Organisationszentrum funktioniert, das die mechanische Anregung der Haarzellen ermöglicht – eine Voraussetzung dafür, dass die Verstärkerfunktion des Innenohrs überhaupt arbeiten kann“, erläutert Studienleiterin Prof. Dr. Katrin Reimann. Dieser mechanische Teil des Hörens war bisher nur teilweise bekannt und verstanden worden. Die neuen Erkenntnisse liefern einen wichtigen Baustein der Grundlagenforschung in diesem Bereich.
Die neuen Erkenntnisse können auch für Diagnostik und Therapie langfristig von Bedeutung sein. Mit TMEM145 gibt es nun einen weiteren Kandidaten als Ursache für Hörverlust. Das Mausmodell zeigt zudem, dass es ein therapeutisches Zeitfenster geben könnte, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.
Quelle: idw
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