Nur 42 Prozent der Deutschen nehmen Vorsorgetermine wahr
Besonders problematisch: Bei Männern ist die Vorsorgebeteiligung signifikant geringer. Während 49 Prozent der Frauen Vorsorgetermine regelmäßig wahrnehmen, sind es bei Männern nur 34 Prozent. Fast ein Viertel der Männer (23 Prozent) geht sogar nur anlassbezogen bei Beschwerden zum Arzt – bei Frauen sind es 14 Prozent. Dieser Gender Gap hat Folgen für die Volksgesundheit: Laut den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind Männer von vielen Krebsarten häufiger betroffen, gehen aber seltener zur Früherkennung.
Zeitmangel, Vergesslichkeit und fehlende Information als Hauptbarrieren
Die Umfrage dokumentiert die Ursachen: Trotz hoher Wertschätzung von Vorsorge scheitert die regelmäßige Teilnahme oft an strukturellen Barrieren. Nur 61 Prozent der Deutschen fühlen sich gut informiert darüber, welche Vorsorgeuntersuchungen in ihrem Alter und für ihr Geschlecht empfohlen werden. Ein Drittel (34 Prozent) fühlt sich schlecht oder sehr schlecht informiert.
Als Haupthindernisse nennen die Befragten Zeitmangel durch Beruf und Familie, Vergesslichkeit sowie organisatorische Hürden bei der Terminvereinbarung. Hinzu kommt die geringe Gesundheitskompetenz der Bevölkerung: Laut RKI weisen etwa vier Fünftel der Deutschen eine geringe allgemeine Gesundheitskompetenz auf – bei Männern zeigt sich im Altersverlauf keine Verbesserung (RKI-Panel 2024).
Fast 500.000 Vorsorgetermine durch digitale Erinnerungen
Dass digitale Lösungen Präventionslücken schließen können, zeigen aktuelle Daten: Seit Einführung individueller Gesundheitserinnerungen von Doctolib im Juli 2025 wurden über diese Funktion mehr als 500.000 Vorsorgetermine in Deutschland direkt gebucht – bei insgesamt 6,9 Millionen gelesenen Erinnerungen (Doctolib-Daten, Stand Januar 2026).
Zusätzlich haben Praxen über automatisierte Recall-Systeme mehr als 1,13 Millionen Patientinnen und Patienten erfolgreich an fällige Kontrolltermine erinnert und zur Terminbuchung aktiviert. Auch die YouGov-Umfrage bestätigt die hohe Akzeptanz: 73 Prozent der Befragten geben an, dass digitale Erinnerungen per App, SMS oder E-Mail sie dabei unterstützen würden, Vorsorgetermine häufiger wahrzunehmen.
Krebsfrüherkennung führt bei Vorsorgeterminen
Die Buchungsdaten zeigen: Krebs ist das wichtigste Vorsorgethema. 32,3 Prozent aller über Doctolib gebuchten Präventionstermine seit Januar 2025 entfallen auf Krebsfrüherkennung (unspezifisch), gefolgt von Hautkrebsscreening (19,5 Prozent) und allgemeinen Gesundheits-Check-ups (18,3 Prozent). Darmkrebsfrüherkennung macht 7,5 Prozent, Brustkrebsfrüherkennung 5,7 Prozent und Prostatafrüherkennung 1,0 Prozent der Buchungen aus.
Besonders die 35- bis 44-Jährigen reagieren mit knapp 22 Prozent am häufigsten auf Gesundheitserinnerungen. Der Gender Gap zeigt sich auch hier: Frauen interagieren mehr als doppelt so häufig wie Männer mit digitalen Erinnerungen (67 zu 33 Prozent). Die Fachgesellschaften betonen die Bedeutung von Früherkennung: Viele Krebsarten sind bei frühzeitiger Diagnose gut behandelbar oder sogar heilbar.
Aus ärztlicher Sicht ist der Gender Gap bei der Vorsorgebeteiligung ein bekanntes, aber oft unterschätztes Problem. Dr. med. Bernhard Schoensee, Facharzt für Urologie in Berlin: „Männer kommen häufig zu spät zur Vorsorge – das zeigen nicht nur die Zahlen, sondern auch mein Praxisalltag. Dabei geht es bei Gesundheit um weit mehr als eine einzelne Untersuchung: Schlaf, Sport, Ernährung, Stressabbau – all das gehört dazu. Ärztinnen und Ärzte sollten Zeit haben, diese Themen anzusprechen und nicht nur Rezepte auszustellen. Wenn Patienten durch digitale Erinnerungen früher und regelmäßiger zur Vorsorge kommen, gewinnen beide Seiten: Die Patienten übernehmen Verantwortung für ihre Gesundheit, und wir können Krankheiten verhindern, statt sie später behandeln zu müssen."
Quelle: Doctolib
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