Laut Onko Portal ist Prostatakrebs mit ca. 26% die häufigste Krebserkrankung von Männern in Deutschland. Die Häufigkeit nimmt seit fast drei Jahrzehnten stetig zu. Bei fortgeschrittenen, metastasierten Tumoren fehlen jedoch präzise Werkzeuge, um Strahlentherapien individuell zu planen. Insbesondere beim metastasierten Prostatakarzinom, das trotz hormoneller Behandlung fortschreitet, sind die Optionen begrenzt. Eine vielversprechende Methode ist die zielgerichtete Alpha-Therapie mit Actinium-225. Dabei werden die Krebszellen über das Oberflächenprotein PSMA gezielt von innen zerstört. Damit die Dosis individuell geplant werden kann, muss allerdings vorab ermittelt werden, wie sich das Medikament im Körper verteilt – eine kurze PET-Sichtbarmachung reicht dafür jedoch häufig nicht aus.
Radiohybrid-Ansatz
Das Forschungsteam unter Leitung von Dr. Constantin Mamat, Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), entwickelte Verbindungen, die zwar chemisch identisch mit dem Therapiemolekül sind, aber mit zwei verschiedenen Diagnosenukliden markiert werden können: Lanthan-133 wird für hochauflösende PET-Bilder herangezogen und Iod-123 für die SPECT-Bildgebung. Das Letztgenannte erlaubt dank längerer Halbwertszeit noch 44 Stunden nach der Injektion aussagekräftige Aufnahmen. „Mit unserem Radiohybrid-Ansatz können wir erstmals dasselbe Molekül mit zwei Diagnosenukliden markieren und beobachten, wie es sich im Körper verhält, ohne das Molekül selbst zu verändern“, fasst Studienleiter Mamat zusammen.
Identische Moleküle, unterschiedliche Eigenschaften
In den Experimenten mit Zellkulturen oder Mäusen erkannten alle Verbindungen den Tumoranker PSMA zuverlässig. Zudem war die Tumoraufnahme unabhängig vom verwendeten Radionuklid nahezu identisch – ein zentraler Beleg für den Radiohybrid-Ansatz. Zur Überraschung der Forschenden blieben die Iod-markierten Verbindungen etwas länger im Blutkreislauf als ihre Lanthan-Pendants; die genaue Ursache ist noch nicht geklärt. „Das zeigt, dass identische Moleküle je nach Position des Radionuklids unterschiedliche Eigenschaften besitzen können: Dies liefert einen wichtigen Hinweis, beide Diagnose-Strategien gründlich zu testen, bevor sie für die Dosisplanung genutzt werden“, erklärt Co-Autor Dr. Martin Ullrich.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Die Ergebnisse der mit 166.000 Euro geförderten Studie zeigen: Das Diagnosemolekül bildet die Tumoraufnahme des Therapeutikums zuverlässig ab. Wenn Ärztinnen und Ärzte genau wissen, wie sich das Medikament im Körper verteilt, lässt sich die Strahlendosis individuell berechnen. Sie muss hoch genug sein, um den Tumor anzugreifen, aber das gesunde Gewebe schonen. Das Dresdner Team plant, die vielversprechendste Verbindung schrittweise in Richtung klinischer Erprobung zu führen.
Quelle: Wilhelm Sander Stiftung
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