Plattform für Epilepsie-Hilfsmittel soll unterstützen

Wahl von passenden Hilfsmitteln und Assistenzsystemen
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Laptop, auf dem die neue Bewertungsplattform zu sehen ist.
Das Forschungsprojekt soll Menschen mit Epilepsie und Mitarbeiter/-innen in Epilepsie-Zentren die Wahl von passenden Hilfsmitteln und Assistenzsystemen erleichtern. © HSBI
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Mit der Datenbank EpiDat und einer zugehörigen Bewertungsplattform (EpiRate) sollen Menschen mit Epilepsie und Mitarbeiter/-innen in Epilepsie-Zentren künftig leichter die passenden Hilfsmittel und Assistenzsysteme wählen können.

Menschen mit Epilepsie können aus einer Vielzahl technischer Hilfen wählen. Infrage kommen z.B. Anfallsdetektoren, Kopfschutzhelme oder Notrufsysteme. Doch dazu ist es nötig, überhaupt zu wissen, welche Produkte es gibt. Und wie zuverlässig sind sie? Und wie bewerten die tatsächlichen Nutzer/-innen die Produkte? EXTENSIBLE, ein gemeinsames Projekt der Hochschule Bielefeld (HSBI) und des Epilepsie-Zentrums Bethel, setzt an dieser Stelle an und entwickelt eine neue Datenbank und Bewertungsplattform für Epilepsie-Produkte. Darauf sollen künftig Mitarbeitende des Epilepsie-Zentrums zugreifen können, um Bewertungen und Informationen der Produkte auf einen Blick zu sehen und Personen mit Epilepsie und ihre Angehörigen besser beraten zu können. 

Datenbank EpiDat und die Bewertungsplattform EpiRate

Im Zentrum stehen zwei digitale Werkzeuge, die Orientierung schaffen sollen: die Datenbank EpiDat und die Bewertungsplattform EpiRate. Beide werden unter Mitarbeit von Wirtschaftspsychologinnen und -psychologen der HSBI unter der Leitung von Prof. Dr. Gerrit Hirschfeld und Dr. Ellen Schack mitentwickelt. Ihr Team ist für Erstellung der Anwendungen und die Bewertung der Nutzerfreundlichkeit verantwortlich. „Ein entscheidender Aspekt, denn nur ein System, das sich intuitiv bedienen lässt, wird im Alltag tatsächlich sinnvoll genutzt“, so Hirschfeld, Professor für Angewandte Psychologie, Forschungsmethoden und Diagnostik.

Passendes Produkt schnell und einfach finden

EpiDat soll Bethel-intern erstmals einen vollständigen Überblick bieten: Welche Hilfsmittel existieren und welche technischen Assistenzsysteme könnten für die jeweilige Person mit Epilepsie hilfreich sein? Neben grundlegenden Produktinformationen sollen künftig vor allem Erfahrungen aus der Praxis erfasst werden. Die Bewertungen, die über EpiRate gesammelt werden, sollen direkt in jeden Eintrag einfließen, ähnlich wie man es von Bewertungen alltäglicher Produkte im Internet kennt. Das soll allen Nutzerinnen und Nutzern der Datenbank helfen, das passende Produkt schnell und einfach zu finden. „Das ist schon toll, die Möglichkeit zu haben, sich mal anzugucken was gibt es denn alles an Produkten. Durch die Filtermöglichkeiten sehe ich direkt was infrage kommt und kann Bewertungen anschauen – alles kurz und knackig“, so die Aussage einer Mitarbeiterin in Bethel über die zukünftige Nutzung der Datenbank EpiDat.

Test von Personen mit Epilepsie

Um die sogenannte „Usability“, also die Nutzerfreundlichkeit, der Plattform zu testen, führte das Wirtschaftspsychologie-Team der HSBI eine Evaluationsstudie durch. Annähernd 150 Personen mit Epilepsie testeten EpiRate, bewerteten ein Assistenzprodukt und beurteilten anschließend den Gesamteindruck, Verständlichkeit und visuelle Gestaltung der Plattform. Die Ergebnisse fielen deutlich aus: Die meisten Teilnehmenden vergaben gute bis sehr gute Noten. Änderungen seien kaum notwendig, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin Lena Marie Schäckermann.

Parallel zur Bewertungsplattform haben die Forschenden einen Erstentwurf von EpiDat grundlegend überarbeitet: Produktlisten wurden aktualisiert, neue Hilfen ergänzt, Filterfunktionen angepasst und Einträge neu strukturiert. Vor allem aber wurde das System so erweitert, dass Bewertungen aus EpiRate fortan automatisch beim jeweiligen Produkt erscheinen. Ein Schritt, der Beratung und Entscheidungsprozesse deutlich vereinfachen soll.

2026 ist das Roll-Out der Plattformen geplant

In einem nächsten Schritt soll die Datenbank direkt in den Einrichtungen des Epilepsie-Zentrums Bethel getestet werden. „Wir planen Usability-Tests direkt vor Ort, um technische Funktionen und einzelne Features weiter zu verbessern“, sagt Schäckermann. Als Abschluss soll die Datenbank in die Praxis gebracht werden, darunter in die verschiedenen Versorgungsbereiche des Epilepsie-Zentrums Bethel, wie proWerk (Berufsbildungswerk, Werkstätten), Bethel.regional (Eingliederungshilfe), Krankenhäuser und Rehakliniken, sowie auch überregional in das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg. EXTENSIBLE wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) als DATIpilot-Innovationssprint gefördert. DATIpilot ist ein Experimentier- und Lernraum zu „Innovation und Transfer“, in welchem Projekte gefördert werden, die Wissen aus der Forschung in die Praxis bringen und innovative Ideen umsetzen. Die Innovationssprints adressieren unterschiedlichste Themenfelder, u.a. fokussieren sie sich auf neue Ideen im Gesundheits- und Sozialwesen.

Quelle: idw/HSBI

Ergänzung:
Die Verantwortlichen betonen, dass die Datenbank EpiDat aktuell nur intern im Epilepsie-Zentrum Bethel und den dazugehörigen Kliniken/ Einrichtungen zugänglich sei. Aufgrund der internen Nutzung könnten Patienten selbst keine Bewertungen einsehen, sondern nur im Rahmen einer Beratung zu Hilfsmitteln auf diese Informationen zugreifen. Eine Nutzung von EpiDat auch über die Grenzen des Epilepsie-Zentrums Bethel hinaus wäre aus Sicht der Projektverantwortlichen sehr wünschenswert, würde allerdings zusätzliche Mittel (Projektanträge) erfordern. Die Bewertungsplattform EpiRate hingegen ist im Internet zugänglich; d.h. Menschen mit Epilepsie, ihre Angehörigen, Ärzte und Mitarbeiter im Versorgungssektor können die von ihnen genutzten Hilfsmittel bewerten. Darüber hinaus sei geplant, die zugrundeliegende Software der Bewertungsplattform als Open-Source zur Verfügung zu stellen. Das sei allerdings ein längerer Prozess und werde erst in einigen Wochen abgeschlossen sein.

#Epilepsie

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