PSA-Screening doch sinnvoll?

Cochrane veröffentlicht Review
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Stadien beim Prostatakrebs.
© crevis/stock.adobe.com
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Ein aktualisierter Cochrane-Review zeigt, dass Bluttests zur Früherkennung möglicher Anzeichen von Prostatakrebs innerhalb der untersuchten Zeitspanne von 23 Jahren wahrscheinlich das Risiko senken könnte, an Prostatakrebs zu sterben.

Laut Deutscher Krebshilfe erkranken jedes Jahr in Deutschland 194 von 100.000 Männern neu an Prostatakrebs. Insgesamt erhalten 79.610 Männer jährlich die Diagnose Prostatakarzinom. Der Prostatakrebs ist damit die häufigste Krebsart beim Mann. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren. Damit gehört Prostatakrebs zu den häufigsten Krebsarten bei Männern. Ob die Tests auf das Prostata-spezifische Antigen (PSA) zur Früherkennung von Prostatakrebs mehr Nutzen als Schaden bringen, wird auch hierzulande seit Jahren kontrovers diskutiert. Bei der Diskussion geht es vor allem um das Risiko von Überdiagnosen – also die Diagnose z. B. eines sehr langsam wachsenden Tumors, der dem Betroffenen zu Lebzeiten nie geschadet hätte - und den daraus folgenden unnötigen Untersuchungen und Behandlungen, die die Patienten gesundheitlich erheblich belasten können. Der PSA-Test ist derzeit nicht im deutschen Krebsfrüherkennungsprogramm der gesetzlichen Krankenkassen vorgesehen. Er ist auf Wunsch aber als sogenannte IGeL-Leistung für Selbstzahler möglich. 

5 Studien ausgewertet

Die Autorinnen und Autoren des Reviews - ein internationales Team um den Erstautor Dr. Juan Franco vom Universitätsklinikum Düsseldorf - haben insgesamt 6 randomisiert-kontrollierte Studien mit fast 800 000 Teilnehmern in ihre Übersichtsarbeit eingeschlossen. Die Studien wurden in Nordamerika und Europa durchgeführt. Mit Blick auf die Prostata-bedingte Sterblichkeit werteten die Review-Autoren 5 dieser 6 Studien aus. Dabei habe sich gezeigt, dass das PSA-Screening die Prostata-bedingte Sterblichkeit möglicherweise leicht verringert: Bei einem angenommenen Grundrisiko von 16 Todesfällen pro 1.000 Teilnehmern ohne PSA-Test würde die Sterblichkeit mit PSA-Test demnach auf 15 Todesfälle pro 1.000 Teilnehmer sinken (5 Studien mit 721 607 Teilnehmern, Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: niedrig).

Langfristig bessere Daten?

Bei der großen europäischen ERSPC-Studie werden PSA-Tests alle zwei bis vier Jahre durchgeführt. Sie hat mit 23 Jahren zudem die längste Nachbeobachtungszeit aller im Review ausgewerteten Untersuchungen. Die Reviewer geben zu bedenken, dass beim Betrachten dieses späten Zeitpunkts dieser Studie ein etwas deutlicherer Effekt zeige. Demnach würde das PSA-basierte Screening die Prostatakrebs-bedingte Sterblichkeit wahrscheinlich um etwa 2 Todesfälle pro 1.000 Männer senken (1 Studie mit 162.236 Teilnehmern; Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: moderat). Anders ausgedrückt: Etwa 500 Männer müssten zum Screening eingeladen werden, um einen Todesfall durch Prostatakrebs zu verhindern. „Mit den inzwischen verfügbaren neuen Daten können wir nun mit moderater Sicherheit sagen, dass das PSA-Screening Todesfälle durch Prostatakrebs bei Männern mit ausreichender Lebenserwartung verringert“, sagt Dr. Philipp Dahm von der University of Minnesota (USA), Seniorautor des aktualisierten Reviews. „Für gut informierte Patienten mit ausreichender Lebenserwartung könnte es daher sinnvoll sein, mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über ein PSA-Screening zu sprechen.“ 

Möglicherweise Verzerrungsrisiken

Die Reviewer betonen, dass möglicherweise auch die Gesamtsterblichkeit durch das Screening leicht über den Zeitraum von 15 bis 23 Jahren sinke. Allerdings sei dieses Teil-Ergebnis des Reviews mit einer relativ großen Unsicherheit behaftet und die Autorinnen und Autoren merken auf Basis ihrer statistischen Berechnungen und angesichts von Verzerrungsrisiken in den zugrundeliegenden Daten an, dass das PSA-Screening möglicherweise auch keinen Effekt auf die Gesamtsterblichkeit haben könnte (4 Studien mit 675 121 Teilnehmern, Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: niedrig). In der großen europäischen ERSPC-Studie führte das PSA-Screening nach 23 Jahren zu etwa 30 % mehr Prostatakrebsdiagnosen (36 mehr Diagnosen pro 1.000 gescreente Männer) – und zwar vor allem zu mehr Diagnosen in frühen Stadien (34 mehr Diagnosen lokalisierter Tumore pro 1.000 gescreente Männer). Allerdings heben die Autorinnen und Autoren hervor, dass diese Screeningtests auch langsam wachsende Tumoren entdecken könnten, die möglicherweise nie Beschwerden verursacht hätten bzw. jahrelang keine Metastasen bilden. Die Diagnose eines solchen Tumors könne aber dennoch psychisch belasten und zu anstrengenden Abklärungsuntersuchungen führen: zu Biopsien beispielsweise und zu unnötigen Behandlungen oder Operationen, die für die betroffenen Männer teils schwere Folgen haben können – nämlich Erektionsstörungen und Harninkontinenz zum Beispiel. 

Überdiagnosen nicht ausreichend untersucht

Solche möglichen Überdiagnosen bzw. Folgen durch PSA-Tests seien in den Studien, die für den Review ausgewertet wurden, nicht ausreichend untersucht worden, halten die Cochrane-Autorinnen und -Autoren fest. Das Ergebnis des Reviews sei keine generelle Empfehlung für ein flächendeckendes Screening, betont jedoch Erstautor Dr. Juan Franco vom Universitätsklinikum Düsseldorf: „Die Entscheidung für oder gegen ein Screening sollten der betroffene Mann und sein Arzt oder seine Ärztin immer gemeinsam treffen – mit einem guten Verständnis der möglichen Vorteile, aber auch der Risiken von Überdiagnosen und unnötigen Behandlungen.“ Der aktualisierte Review enthalte auch eine Studie zu einer bestimmten neuen Screeningmethode, die sogenannte ProScreen-Studie mit gut 60.000 Teilnehmern aus Finnland. In dieser Studie sei der PSA-Test Teil einer umfassenderen Screeningstrategie: Das Blut der Teilnehmer wurde nicht nur auf PSA hin untersucht, sondern bei erhöhten Werten auch auf weitere „verwandte“ Eiweiße, die so genannten Kallikreine. Bei auffälligem Kallikrein-Panel wurden vor einer etwaigen Biopsie zunächst MRT-Aufnahmen angefertigt. Die umfassendere Blutuntersuchung soll helfen, besser zwischen harmlosen PSA-Erhöhungen und einem möglicherweise klinisch relevanten Prostatakrebs zu unterscheiden. Die MRT-Bildgebung soll unnötige Biopsien vermeiden und langsam wachsende Tumoren besser erkennen, die möglicherweise keine aggressive Behandlung benötigen. 

Langfristdaten für Kombinationsscreening fehlen noch

Die Reviewer erläutern, dass die ProScreen-Studie jedoch noch nicht sehr lange laufe. Entsprechend habe der für den aktuellen Review ausgewertete Nachbeobachtungszeitraum im Median bei nur 3,2 Jahren gelegen. „Um etwaige Effekte auf die Sterblichkeit überhaupt erkennen zu können, ist diese Zeitspanne deutlich zu kurz“, erläutert der wissenschaftliche Vorstand der Cochrane Deutschland Stiftung Prof. Dr. Jörg Meerpohl. „Die ersten Daten aus diesen gut drei Jahren Nachbeobachtung deuten darauf hin: Ein Kombinationsscreening aus PSA-Test, Kallikrein-Panel und MRT macht wahrscheinlich bei der Zahl der Prostatakrebsdiagnosen nur einen kleinen Unterschied im Vergleich zu keinem Screening. Ob das kombinierte Screening Todesfälle verhindert oder unnötige Biopsien und Überdiagnosen verringert, wurde bislang nicht berichtet. Dafür braucht es eine längere Nachbeobachtung bzw. weitere Studien.“ 

Literatur:
Franco JVA, Hwang EC, Jung JH, Vaimberg O, Ilic D, Cleves A, Dahm P: Prostate‐specific antigen (PSA) test for prostate cancer screening. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 5. Art. No.: CD004720, DOI: https://doi.org//10.1002/14651858.CD004720.pub4

Quelle: idw/Cochrane

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