Auf der Digestive Disease Week® (DDW) (2. bis 5. Mai 2026) werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, welche die Rektumkarzinome in den USA genauer beleuchtet hat. Demnach nimmt die Zahl der Todesfälle durch Rektumkarzinome bei älteren Millennials rasant zu; der Anstieg der Mortalität übertreffe dabei jenen bei Kolonkarzinomen bei Weitem. Dies lege nahe, dass Hausärzte frühe Symptome bei Patienten unter 45 Jahren umfassend abklären sollten, so die Studienautoren. „Kolorektale Karzinome gelten nicht mehr vorwiegend als Erkrankung älterer Erwachsener“, sagte Mythili Menon Pathiyil, Assistenzärztin für Gastroenterologie an der SUNY Upstate Medical University und Erstautorin der Studie. „Insbesondere Rektumkarzinome entwickeln sich zu einem wachsenden Problem bei jüngeren Menschen, und wir müssen frühzeitig handeln, um diesen Trend umzukehren.“
Einsatz des ARIMA-Modells
Die Forscher analysierten für die Studie US-Sterbedaten aus dem Zeitraum von 1999 bis 2023 für Erwachsene im Alter von 20 bis 44 Jahren. Die Daten stammten aus der WONDER-Datenbank der Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Sie berechneten die jährlichen Veränderungen der Sterberaten aufgeschlüsselt nach Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Region und Altersgruppe. Anschließend wandten sie ein auf maschinellem Lernen basierendes Modell (ARIMA-Modell) an, um die Trends bis zum Jahr 2035 zu prognostizieren, wobei sie davon ausgingen, dass sich die aktuellen Muster unverändert fortsetzen.
Prognose: Mortalität steigt weiter an
Die Analyse ergab insgesamt stetig steigende Sterberaten bei kolorektalen Karzinomen, wobei die Mortalität bei Rektumkarzinomen in jeder demografischen Gruppe zwei- bis dreimal schneller anstieg als bei Kolonkarzinomen. Bei Erwachsenen im Alter von 35 bis 44 Jahren – dem Kern der Millennial-Generation – wird prognostiziert, dass die Sterblichkeit durch Rektumkarzinome bis 2035 weiter zunehmen wird, während die Sterblichkeit durch Kolonkarzinome in derselben Altersgruppe langsamer ansteigt. Bei hispanischen Erwachsenen sowie bei Personen, die in den westlichen US-Bundesstaaten leben, war der Anstieg der Todesfälle durch Rektumkarzinome am stärksten ausgeprägt; dabei verzeichneten hispanische Erwachsene die am schnellsten wachsenden Sterberaten aller demografischen Gruppen.
Überdenken der Screening-Strategien?
Pathiyil erklärte, die Ergebnisse sprächen für ein Überdenken der Screening-Strategien – einschließlich eines verstärkten Einsatzes der flexiblen Sigmoidoskopie zur Erkennung von Rektumkarzinomen – sowie für eine Förderung der öffentlichen Aufklärung. Sie betonte, dass junge Erwachsene und Hausärzte Symptomen wie rektalen Blutungen und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, die bei jüngeren Patienten häufig fälschlicherweise als Hämorrhoiden oder andere Beschwerden abgetan werden, mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Es gehe weniger darum, Leitlinien einfach über Nacht zu ändern, als vielmehr darum, die Denkweise zu ändern – zu erkennen, dass Darmkrebs bei jungen Erwachsenen keine Seltenheit mehr sei und einer frühzeitigeren Beachtung bedürfe, erläuterte Pathiyil.
Oft späte Diagnose bei Jüngeren
Pathiyil erklärte, sie habe die Studie durchgeführt, da sie eine wachsende Zahl jüngerer, ansonsten gesunder Patienten beobachtet habe, bei denen Darmkrebs erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wurde. Sie wies darauf hin, dass andere Forschungsarbeiten gezeigt hätten: Während ältere Patienten die Behandlung bereits innerhalb eines Monats nach Auftreten der ersten Symptome beginnen, vergehen bei jungen Erwachsenen vom ersten Symptom bis zum Behandlungsbeginn sieben Monate – eine kritische Verzögerung. „Unsere Studie zeigt, dass insbesondere der Rektumkrebs für einen Großteil des Anstiegs bei den kolorektalen Karzinomen verantwortlich ist. Diese Entwicklung wird sich aller Voraussicht nach im Laufe der Zeit noch verschärfen, wenn wir unser derzeitiges Vorgehen nicht ändern“, so Pathiyil.
Quelle: DDW
Artikel teilen




