Laut Deutschem Schwerhörigenbund wird geschätzt, dass 19 Prozent der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre hörbeeinträchtigt sind. Bei einer Bevölkerungszahl für diesen Personenkreis von 70 Millionen wären das 13,3 Millionen Personen. Entsprechend wichtig ist die Schwerhörigen-Selbsthilfe, deren Beginn sich 2026 zum 125. Male jährt. Der Deutsche Hörverband (DHV) lädt daher alle schwerhörigen Menschen ein, dieses Jubiläum mit vielfältigen lokalen und regionalen Aktionen zu würdigen und zu feiern, sich der eigenen Geschichte zu erinnern und das Jubiläum vielfältig für Information und Begegnung zu nutzen. Höhepunkte im Jubiläumsjahr sollen ein Aktionstag am 3. März sowie eine Aktionswoche vom 17. bis 20. September in Berlin sein. Der DHV, der vor drei Jahren auf Initiative von Deutschem Schwerhörigenbund e. V. (DSB) und Deutscher Cochlea-Implantat Gesellschaft e.V. (DCIG) geschaffen wurde, soll als gemeinsamer, starker Bundesverband aller schwerhörigen Menschen etabliert werden. Das 125-jährige Jubiläum der Schwerhörigenbewegung wird von DHV, DSB und DCIG sowie den ihnen angeschlossenen Strukturen gemeinsam begangen.
Gottesdienst als Start
Der Beginn der Schwerhörigenbewegung in Deutschland war ein Gottesdienst: Zu diesem trafen sich am 26. Mai 1901 zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie ein Pastor in der Wohnung Margarethe von Witzlebens (1853-1917) in der Tieckstraße 17 in Berlin. Drei Jahre später zählten bereits 157 Personen zum Witzleben-Kreis. Auf Initiative Margarethe von Witzlebens kamen erstmals schwerhörige und ertaubte Menschen zusammen, um die eigene, schwierige Lebenssituation selbsttätig zu verbessern – durch Teilhabe am Gottesdienst und den damit verbundenen seelischen Beistand sowie durch vielfältige gegenseitige Unterstützung im Alltag. In den Folgejahren entstanden in zahlreichen weiteren deutschen Städten örtliche Strukturen der Selbsthilfe sowie ein erster bundesweiter Verband.
DSB und DCIG planen Fusion
Mit dem Deutschen Schwerhörigenbund e. V. (DSB), der sich 1949 in der Tradition Margarethe von Witzlebens gründete, sowie mit der 1987 gegründeten Deutschen Cochlea-Implantat Gesellschaft e.V. (DCIG) entstanden zwei Bundesverbände, die sich vielfältig für die Belange ihrer schwerhörigen Mitglieder engagieren, und denen zahlreiche regionale und lokale Strukturen der Selbsthilfe angehören. Für die kommenden Jahre planen die beiden Bundesverbände DSB und DCIG ihre Fusion in einem gemeinsamen, starken Bundesverband, dem Deutschen Hörverband (DHV), dem sich zudem möglichst alle Regional- und Landesverbände sowie alle weiteren Strukturen von DSB und DCIG anschließen sollen. Aktuell sind neben den Bundesverbänden von DSB und DCIG 15 Regional- und Landesverbände Mitglied im DHV.
Sichtbarkeit als Ziel der Veranstaltungen
Das diesjährige Jubiläum soll zugleich wichtige Impulse für die zukünftige Selbsthilfe schwerhöriger Menschen geben, ihrer Lebenswirklichkeit und ihren Anliegen mehr denn je zu Sichtbarkeit verhelfen. Ein Veranstaltungshöhepunkt wird ein Aktionstag sein, der am 3. März, dem Welttag des Hörens, in Berlin stattfindet. Weiteres Highlight ist eine Aktionswoche mit Selbsthilfetag, die vom 17. bis 20. September ebenfalls in Berlin stattfindet. Darüber hinaus laden DHV, DSB und DCIG alle Aktiven der Selbsthilfe ein, das Jubiläum mit lokalen und regionalen Aktionen zu begehen. Ob Info-Stände oder Vortragsveranstaltungen, kleine Ausstellungen und Workshops, Podiumsgespräche oder Erzählnachmittage mit Schulklassen – es gibt vielfältige Möglichkeiten, um das Jubiläum mit Leben zu füllen und es zugleich für Aufklärung und Dialog zu nutzen.
„Sowohl die lange und eindrucksvolle Geschichte von 125 Jahren als auch die Vitalität unserer heutigen Bewegung wollen wir gemeinsam feiern“, so Dr. Harald Seidler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Hörverbandes. „Ob DSB und DCIG oder auch die junge Selbsthilfe mit Bundesjugend (BuJu) und Deaf Ohr Alive (DOA) – ganz viele Menschen jeden Alters sind heute Teil dieser großen Bewegung und engagieren sich vielfältig für die Belange schwerhöriger Menschen. Die Erlebnisse und Erfahrungen, die jeder einzelne von uns hat, sind ein Teil dieser Geschichte. Also lasst uns das Jubiläumsjahr nutzen, um davon zu berichten, um auf andere zuzugehen, Einblicke zu geben, aufzuklären und die wichtigen Anliegen schwerhöriger Menschen einmal mehr in die Öffentlichkeit zu tragen! Jeder, der uns hierbei unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen.“ Zur Ausgestaltung von Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr bietet der Deutsche Hörverband das Informationspapier „Stationen der Geschichte: 125 Jahre Schwerhörigenbewegung in Deutschland“ sowie ergänzend auch Bildmaterial an.
Quelle: Martin Schaarschmidt
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