Stechmücken effektiver bekämpfen?

Einmaliger Anti-Mücken-Anstrich könnte helfen
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Erwachsene Mücke Aedes aegypti
Aedes aegypti © CDC/ Amy E. Lockwood, MS, public domain
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Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg konnten zeigen, dass eine neuartige Wassertank-Beschichtung die Anzahl von Dengue-Erkrankungen in Kolumbien senkt. Eventuell ließe sich damit auch die Tigermücke in Deutschland bekämpfen.

Auch Europa müsse seine Vorsorge- und Bekämpfungsmaßnahmen verbessern, da das Risiko von durch Mücken übertragenen Krankheiten steige: So breite sich z.B. das West-Nil-Virus (WNV) in neue Regionen aus, und invasive Mückenarten etablierten sich in immer mehr Teilen Europas. Darauf wies das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) anlässlich des Welt-Mücken-Tages hin. Neue Ansätze zur Bekämpfung sind somit gefragt. Die Erkenntnisse der Forscherinnen und Forscher bezüglich der Beschichtung könnten auch bei der Bekämpfung der Tigermücke in Deutschland helfen. Ein einmaliger Anstrich von Wasserbehältern könne die Zahl von Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) und damit die Ausbreitung des Denguefiebers über viele Monate deutlich bremsen, betonen die Forscherinnen und Forscher der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg in einer Studie. Die Untersuchung zeigt, dass Dengue-Erkrankungen in kolumbianischen Stadtvierteln mit speziell beschichteten Wassertanks um 45 Prozent stärker zurückgingen als in vergleichbaren Kontrollgebieten. Die Ergebnisse könnten auch für Deutschland interessant sein, wo die nah verwandte Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) in einigen Regionen schon heimisch geworden ist.

Krankheitslast spürbar verringern

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir mit einer vergleichsweise einfachen Maßnahme viele Menschen vor einer Dengue-Infektion schützen können. Indem wir die Brutplätze ins Visier nehmen, können wir die Krankheitslast spürbar verringern“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Axel Kroeger, Wissenschaftler am Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg und Mitglied des Centre for Planetary Health der Universität Freiburg. „Das Prinzip lässt sich weltweit recht einfach übertragen. Auch in Deutschland könnte es beim Kampf gegen die Asiatische Tigermücke helfen“, so Kroeger. 

Dengue weltweit auf dem Vormarsch

Denguefieber ist weltweit auf dem Vormarsch. Jährlich sind schätzungsweise 100 bis 400 Millionen Menschen von der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion betroffen. Während die meisten Infektionen mild verlaufen, können schwere Fälle tödlich enden. Klimawandel, Urbanisierung und die Ausbreitung der Tigermücke erhöhen auch in Europa das Risiko lokaler Ausbrüche. In der kolumbianischen Stadt Cúcuta wurden 20 Stadtgebiete mit jeweils rund 1.600 bis 2.000 Haushalten verglichen. Ein Jahr nach der Behandlung wurden in den Gebieten mit Beschichtung signifikant weniger Dengue-Erkrankungen (337 Fälle pro 100.000 Einwohner) registriert als in den Kontrollgebieten (529). Auch der Anteil der Häuser mit Mückenlarven oder -puppen sank deutlich. Die direkten Kosten lagen bei rund zwei US-Dollar pro Jahr und Tank. Vorangegangene Sicherheitsuntersuchungen zeigten zudem, dass Wasser aus behandelten Behältern für Menschen gesundheitlich ungefährlich blieb. 

Beschichtung über 12 Monate aktiv

„Die Beschichtung setzt dort an, wo sich die Dengue-Mücke Aedes aegypti besonders häufig vermehrt: in Wasserbehältern in und um Wohnungen“, erklärt Erstautorin Dr. Rocio Cardenas, deren Doktorarbeit in der Abteilung Infektiologie der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg Teil der Studie war. In Kolumbien zählen große Waschtanks zu den wichtigsten Brutplätzen. „Ein Wirkstoff tötet erwachsene Mücken und beeinträchtigt ihre Eiablage. Ein zweiter verhindert die Entwicklung der Larven und Puppen“, so Cardenas. Mikrokapseln setzen die Wirkstoffe langsam frei und halten die Beschichtung über 12 Monate aktiv.

Beschichtung auch für Deutschland?

Auch für Deutschland seien die Ergebnisse interessant. Die eng verwandte und hier zunehmend verbreitete Asiatische Tigermücke Aedes albopictus nutzt – wie die in Kolumbien untersuchte Aedes aegypti – bevorzugt Wasserbehälter als Brutstätten. Dazu zählen etwa Regentonnen in Gärten und Kleingartenanlagen. Gegen ihre Larven wird unter anderem der biologische Wirkstoff Bti eingesetzt. Dieser muss in Wasserbehältern alle zwei Wochen neu angewendet werden. „Eine über viele Monate wirksame Beschichtung könnte den Aufwand für Haushalte und Kommunen deutlich verringern“, sagt Kroeger. Direkt ließen sich die Ergebnisse nicht auf Deutschland übertragen. Neben der Mückenart unterscheiden sich auch Klima, Behältertypen und Bekämpfungsprogramme. Trotzdem sagt Kroeger: „Eine Do-it-yourself Lösung für Europa ist durchaus denkbar, wenn der Farbanstrich einmal zugelassen ist.“

Literatur:
Cardenas R, Kroeger A, Petzold M, et al.: Epidemiological impact of a dual-action insecticidal coating applied to Aedes aegypti breeding sites on dengue transmission in Colombia: a cluster-randomised trial. The Lancet Infectious Diseases, 2026; DOI: 10.1016/S1473-3099(26)00363-4.

Quelle: idw/Uni Freiburg/ECDC

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