Typ-1-Diabetes: 100.000 Teilnehmende auf frühe Stadien getestet

EDENT1FI-Projekt
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Das Bild zeigt ein Kind, das sich eine Injektion in den Bauchbereich verabreicht, vermutlich Insulin. Eine andere Person scheint unterstützend dabei zu sein.
© RFBSIP/stock.adobe.com
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Das Forschungsprojekt EDENT1FI wurde 2023 mit dem Ziel gestartet, Screening und Monitoring von Typ-1-Diabetes in Europa zu etablieren.

EDENT1FI („European action for the Diagnosis of Early Non-clinical Type 1 diabetes For disease Interception“), ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Anette-Gabriele Ziegler von Helmholtz Munich und Prof. Chantal Mathieu von der KU Leuven, hat einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu seinem Ziel erreicht: Von den in Europa geplanten über 200.000 Kindern und Jugendlichen wurden bereits 100.000 auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes gescreent. 

Typ-1-Diabetes ist eine chronische Erkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift. Dies führt zu einer lebenslangen Abhängigkeit von einer Insulintherapie. Der Autoimmunprozess, der zum Ausbruch der Erkrankung führt, beginnt häufig bereits früh im Leben, wird jedoch meist erst erkannt, wenn Symptome auftreten.

Screening und Monitoring von Typ-1-Diabetes in Europa

Eine verzögerte Diagnose und Behandlung können zu lebensbedrohlichen medizinischen Notfällen führen. Ein einfacher Bluttest kann Typ-1-Diabetes bereits in frühen Stadien erkennen, indem Inselautoantikörper nachgewiesen werden. Damit wird die Autoimmunaktivität sichtbar gemacht, die mit der Erkrankung verbunden ist – noch lange bevor erste Symptome auftreten. Die frühzeitige Erkennung eröffnet entscheidende Möglichkeiten für kontinuierliches Monitoring, rechtzeitige Interventionen und verbesserte Ergebnisse für Patientinnen und Patienten.

EDENT1FI wurde 2023 mit dem Ziel gestartet, Screening und Monitoring von Typ-1-Diabetes in Europa zu etablieren. Aufbauend auf der Grundlage und dem Erfolg der Fr1da-Studie, die das Screening auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes erstmals in Bayern etabliert hat, hat EDENT1FI Screening-Programme in Tschechien, Polen und Portugal aufgebaut und bestehende Initiativen in Deutschland, Italien, dem Vereinigten Königreich, Dänemark und Schweden gestärkt.

Screening und Monitoring von Typ-1-Diabetes in Europa

„Obwohl zunächst unklar war, ob die in Deutschland durch die Fr1da-Studie entwickelten Screening-Prinzipien auch erfolgreich auf Regionen mit ganz unterschiedlichen Gesundheitssystemen übertragbar sind, haben sich diese Programme bereits als äußerst erfolgreich erwiesen. Der Erfolg von EDENT1FI zeigt, dass ein Screening auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes in ganz Europa effektiv umgesetzt werden kann“, sagt Anette-Gabriele Ziegler, leitende Co-Koordinatorin von EDENT1FI, Leiterin des Arbeitspakets 1 (Screening), wissenschaftliche Leiterin der Fr1da-Studie sowie Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Inhaberin des Lehrstuhls für Diabetes und Gestationsdiabetes am TUM Universitätsklinikum.

Die Screening-Settings variierten von Land zu Land: Die Programme wurden in der Primärversorgung, in Krankenhäusern, Schulen und in Privathaushalten durchgeführt. Trotz dieser Unterschiede gelang es EDENT1FI, den Nachweis von Inselautoantikörpern zu harmonisieren und die Datenerfassung sowie -verarbeitung länderübergreifend zu standardisieren. Zusätzlich wurden zentrale Labore eingerichtet und umfassende Qualitätskontrollen etabliert. So konnten bislang mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche untersucht werden – bei einer Screening-Rate von etwa 6.500 Teilnehmenden pro Monat.

„Die Ausweitung der Screening-Programme auf weitere europäische Länder wird dazu beitragen, mehr Kinder vor schweren Stoffwechselentgleisungen zu schützen, die häufig mit einer späten Diagnose von Typ-1-Diabetes einhergehen“, sagt Prof. Peter Achenbach, stellvertretender Direktor des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Wissenschaftler im Studienteam von Fr1da und EDENT1FI in Deutschland.

Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit frühem Typ-1-Diabetes

Für die Teilnahme am Screening-Programm sind nur wenige Tropfen Blut erforderlich. Familien erhalten während des gesamten Prozesses umfassende Beratung und Unterstützung. Kinder und Jugendliche, bei denen Typ-1-Diabetes im Frühstadium festgestellt wird, werden regelmäßig nachuntersucht und über Möglichkeiten frühzeitiger Intervention informiert. Ziel ist es, Familien Wissen zu vermitteln und Hilfsmittel bereitzustellen, um Belastungen bei Auftreten des klinischen Diabetes zu verringern und sie im Umgang mit der Erkrankung zu unterstützen. Insgesamt plant EDENT1FI, 220.000 Kinder und Jugendliche aus der allgemeinen Bevölkerung in Europa zu untersuchen, um präsymptomatischen Typ-1-Diabetes frühzeitig zu erkennen.

„100.000 gescreente Kinder zu erreichen ist ein wichtiger Meilenstein für die Diagnose von Typ-1-Diabetes im Frühstadium. Angesichts neu zugelassener und zukünftiger krankheitsmodifizierender Therapien gewinnt eine frühzeitige Diagnose zusätzlich an Bedeutung. Dieser Erfolg zeigt, wie internationale Zusammenarbeit die Versorgung von Menschen mit Typ-1-Diabetes verändern kann“, erklärt Prof. Chantal Mathieu, leitende Co-Koordinatorin von EDENT1FI und Professorin an der Fakultät für Medizin der KU Leuven.

Neue Therapie unterstreicht die Bedeutung der Früherkennung

Im Januar 2026 wurde der immunmodulierende Wirkstoff Teplizumab in Europa für Kinder ab acht Jahren mit präsymptomatischem Typ-1-Diabetes (Stadium 2) zugelassen. Diese Zulassung verdeutlicht die Bedeutung von Früherkennungsprogrammen wie EDENT1FI. Eine frühe Diagnose ermöglicht es Familien und behandelnden Ärztinnen und Ärzten, Therapien wie Teplizumab in Betracht zu ziehen, um den Ausbruch der Erkrankung zu verzögern. Weitere Therapien, die den Beginn von Typ-1-Diabetes verhindern oder hinauszögern könnten, werden derzeit in klinischen Studien untersucht.

Weitere Informationen: 
www.edent1fi.eu

Quelle: idw

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