Unterschiedliche biologische Marker für Psychose und Depression
Die Diagnose von Psychosen und Depressionen basiert auf klinischen Symptomen. Eine aktuelle Studie liefert aber nun Hinweise zu den zugrundeliegenden Mechanismen der beiden Erkrankungen. Es zeigen sich unterschiedliche Entzündungsmarker im Blut von Patientinnen und Patienten. Bereits in frühen Phasen sind diese Signaturen festzustellen, was eine frühe therapeutische Intervention ermöglicht.
Zytokinwerte und graue Masse
Zwischen 2013 und 2018 führten die Forschenden vom Max-Planck-Institut für Psychatrie München, der Universitätsmedizin Köln und der Oxford-Universität weiterführende Untersuchungen an 678 Teilnehmenden der PRONIA (Personalised Prognostic Tools for Early Psychosis Management)-Studie durch. In der Studie wurden bereits neuartige Vorhersagetools entwickelt, um den Ausbruch psychischer Erkrankung möglichst genau vorherzusagen. Für die weitergehenden Untersuchungen untersuchten die Forschenden die Rolle von Entzündungsmarkern und der Hirnstruktur in frühen Krankheitsphasen. Inkludiert wurden Probandinnen und Probanden mit einer kürzlich aufgetretenen Depression oder Psychose und klinischen riskanten Zuständen für eine Psychose sowie gesunde Kontrollpersonen.
Zu den erhobenen Daten gehörten unterschiedliche Werte von Zytokinen und die Messung des Volumens der grauen Substanz im Gehirn durch MRT-Aufnahmen. Fokussiert wurde sich auch auf limbische Hirnregionen, die für die Verbreitung von Emotionen zuständig sind. Es zeigte sich ein komplexes, aber für beide Krankheiten typisches Muster verschiedener Zytokinwerte. Schon in den frühesten Stadien unterschieden sich die Krankheiten signifikant, sowohl in den Zytokinwerten als auch den Veränderungen im Gehirn.
Frühzeitige Intervention
„Diese Signaturen eröffnen neue Ansätze für sowohl biologisch als auch psychosozial fundierte frühe Interventionen bei Depression und Psychose. Das ebnet den Weg für maßgeschneiderte Therapien, je nachdem, ob sich die junge Person in einer Depressions- oder Psychose-Entwicklungskurve befindet“, erklärt Erstautor David Popovic.
Die klinische Diagnose soll damit zwar nicht ersetzt werden, sie kann diese jedoch ergänzen und eine frühe Unterscheidung der beiden Erkrankungen ermöglichen. Für einen passenden, frühzeitigen therapeutischen Eingriff ist weitere Forschung notwendig. Um die Entzündungen im Gehirn weiter zu untersuchen, plant das Forschungsteams Untersuchungen mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI).
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