Vorhofflimmerlast hat keinen Einfluss auf Schlaganfälle
Eine Analyse der NOAH – AFNET 6 Studie setzte große Sprachmodelle ein, um bei Patientinnen und Patienten mit Device-detektiertem Vorhofflimmern aus Herzschrittmacherdaten die Vorhofflimmerlast zu ermitteln. Dieser Ansatz ermöglicht es, den Einfluss der Vorhofflimmerlast auf den kardiovaskulären Zustand sowie auf die Wirksamkeit und Sicherheit der Antikoagulation bei Herzschrittmacherpatientinnen und -patienten zu bewerten. Die Vorhofflimmerlast in der Population betrug 0,4 Prozent, wobei 20 Prozent der Patientinnen und Patienten eine Ausgangs-Vorhofflimmerlast von mehr als 1 Prozent aufwiesen. Bei diesen Patientinnen und Patienten zeigt sich kein Einfluss der Vorhofflimmerlast auf Schlaganfälle oder andere kardiovaskuläre Ereignisse. Die Ergebnisse wurden von AFNET-Vorstandsmitglied Prof. Ulrich Schotten aus Maastricht als Hotline auf dem Heart Rhythm Kongress 2026 in Chicago vorgestellt. (1)
Patientinnen und Patienten mit Device-detektiertem Vorhofflimmern (DDAF) haben ein geringeres Schlaganfallrisiko als Patientinnen und Patienten mit per EKG diagnostiziertem Vorhofflimmern und vergleichbaren Schlaganfall-Risikofaktoren. Die Vorhofflimmerlast – also die Zeit, die ein Mensch im Vorhofflimmern verbringt – hat sich als wichtiger Faktor erwiesen, der mit dem Schlaganfallrisiko und dem Behandlungsergebnis in Zusammenhang steht; dennoch ist es nach wie vor schwierig, sie in der klinischen Forschung und Praxis in großem Maßstab zu erfassen.
Die Antikoagulation erhöht das Risiko schwerer Blutungen
Die primäre Analyse von NOAH – AFNET 6 (Non vitamin K antagonist Oral anticoagulants in patients with Atrial High-Rate episodes), einer vom AFNET durchgeführten, wissenschaftsinitiierten Studie, hatte ergeben: Bei Patientinnen und Patienten mit DDAF senkt die Antikoagulation zwar das relativ geringe Schlaganfallrisiko leicht, erhöht aber auch das Risiko schwerer Blutungen. Aufgrund der erwarteten Zunahme von Blutungsereignissen, während der Effekt zur Verhinderung von Schlaganfällen geringer als erwartet war, wurde die Studie vorzeitig abgebrochen. Die schwache Wirkung der Antikoagulation wurde auch in mehreren Untergruppen festgestellt. (2-10)
Diese NOAH – AFNET 6-Substudie zeigt, dass KI-gestützte Modelle, die auf der Verarbeitung natürlicher Sprache basieren, Informationen zur Vorhofflimmerlast aus routinemäßigen Herzschrittmacherberichten zuverlässig automatisch extrahieren können. Dies ermöglicht eine individuellere Risikobewertung und unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, fundiertere Entscheidungen über Therapien wie die Antikoagulation zu treffen. Dieser Ansatz wurde auf die NOAH – AFNET 6-Studie angewendet, um besser zu verstehen, wie die Vorhofflimmerlast mit den klinischen Folgen und dem Ansprechen auf das Antikoagulans Edoxaban zusammenhängt.
Zuverlässigkeit gerätebasierter Messungen
Die Forschenden analysierten 11.964 Herzschrittmacherberichte von 2.534 Patientinnen und Patienten mit Device-detektiertem Vorhofflimmern, die an der NOAH – AFNET 6-Studie teilnahmen. Bei mehr als 70 Prozent der Berichte konnte die Vorhofflimmerlast oder die Belastung durch Moduswechsel erfolgreich ermittelt werden, was die breite Anwendbarkeit auf Daten aus der Praxis belegt.
Die mittels großer Sprachmodelle extrahierte Vorhofflimmerlast stimmte in einer Validierungs-Teilkohorte zu mehr als 98 Prozent mit der manuellen Überprüfung überein. Zudem wiesen die Vorhofflimmerlast und die Last durch den Moduswechsel eine hohe Übereinstimmung auf, was die Zuverlässigkeit gerätebasierter Messungen untermauert. In der gesamten Studienpopulation blieb die Vorhofflimmerlast zu Studienbeginn gering, was die Bedeutung präziserer Messungen für ein besseres Verständnis des Risikos und des Ansprechens auf die Behandlung unterstreicht.
Die Vorhofflimmerlast zu Studienbeginn wurde anschließend mit kardiovaskulären Ereignissen während der medianen Nachbeobachtungszeit von 19 Monaten in der NOAH – AFNET-6 Studie in Zusammenhang gebracht. Die Ausgangs-Vorhofflimmerlast hatte keinen Einfluss auf das thromboembolische Risiko, wobei selbst bei der geringen Anzahl von Patientinnen und Patienten mit hoher Vorhofflimmerlast nur niedrige Schlaganfallraten zu verzeichnen waren. In dieser detaillierten Analyse zeigte sich keine Wechselwirkung zwischen der Vorhofflimmerlast und der Wirksamkeit der Antikoagulationstherapie. Die Antikoagulation erhöhte, wie erwartet, das Risiko für Blutungen und Tod unabhängig von der Vorhofflimmerlast.
Weltweite Zunahme von Vorhofflimmern
„Angesichts der weltweiten Zunahme von Vorhofflimmern müssen wir bessere Wege finden, die neuesten Technologien zu nutzen, um nicht nur besser zu verstehen, ob Patientinnen und Patienten an Vorhofflimmern leiden, sondern auch, inwieweit sich dies im Laufe der Zeit auf sie auswirkt“, sagt Prof. Schotten, Hauptautor und Referent der Daten in Chicago. „Dieser KI-gestützte Ansatz mit großen Sprachmodellen ermöglicht es uns, aus den Daten, die wir bereits erheben, aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen und diese zu nutzen, um die Forschung voranzutreiben und die Versorgung zu verbessern.“
„Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die Auswirkungen einer geringen Vorhofflimmerlast auf das Schlaganfallrisiko zu ermitteln. Das Ergebnis dieser fundierten Analyse ist eindeutig: Eine geringe Vorhofflimmerlast geht mit einem geringen Schlaganfallrisiko einher. Wir benötigen ähnliche Analysen in größeren Datensätzen, um zu definieren, bei welcher Vorhofflimmerlast eine Antikoagulationstherapie gerechtfertigt ist und bei welcher eine rhythmuserhaltende Therapie erforderlich ist. Gemeinsam mit internationalen Partnern haben wir Anfang dieses Jahres damit begonnen, relevante Datensätze zusammenzuführen (www.afburden.org)“, erklärt Paulus Kirchhof, leitender Autor der Analyse.
Quelle: idw
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