Zeckenstiche mit Folgen für Mensch und Tier
Neu diagnostizierte Borreliose Erkrankungen in Deutschland steigen stetig an, vor allem in Ostdeutschland und Bayern sind sie besonders hoch. Doch nicht nur bei Menschen hinterlassen Zecken gefährliche Krankheiten, auch Hunde rücken nun in den Fokus: Die canine Babesiose, eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung des Hundes, kommt zunehmend auch in Deutschland vor. Im Jahr 2024 wurde bei 138.107 in Deutschland gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten erstmals eine Lyme-Borreliose diagnostiziert. Diese durch Zecken übertragene Infektion tritt im gesamten Bundesgebiet auf – regional gibt es jedoch Unterschiede. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ermittelte, dass die höchsten Erkrankungsraten in den ostdeutschen Bundesländern sowie in Bayern vorliegen.
Neuerkrankungen nach Bundesländern
Die Zahl der neu diagnostizierten Fälle schwankte erheblich: Während im KV-Bereich Nordrhein 116 Fälle je 100.000 Versicherte registriert wurden, lag Sachsen mit 361 Fällen an der Spitze. Besonders hohe Inzidenzen sind zudem in Thüringen (342), Bayern (311), Brandenburg (310), Mecklenburg-Vorpommern (310) sowie in Sachsen-Anhalt (284) dokumentiert worden. Auf Kreisebene sind die Höchstwerte im Landkreis Freyung-Grafenau (Bayern) mit 703 sowie im Saale-Holzland-Kreis (Thüringen) mit 639 Fällen erreicht worden. Stark erhöhte Werte mit deutlich über 400 Fällen lagen insbesondere im Osten Niederbayerns, Thüringens und an der Grenze zu Tschechien in Sachsen. Niedrig-Inzidenz-Cluster, das heißt räumlich eingegrenzte Gruppen benachbarter Kreise mit relativ niedrigen Werten, waren mit Ausnahme Bayerns in allen westdeutschen KV-Regionen zu beobachten. Das räumlich größte zusammenhängende Gebiet erstreckte sich über weite Teile von Nordrhein-Westfalen. Bundesweit lag die Inzidenz 2024 bei 221 neu diagnostizierten Fällen pro 100.000 gesetzlich Versicherte. Dies ist ein moderater Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (207 Fälle pro 100.000). Schwankungen der Borreliose-Inzidenz von Jahr zu Jahr sind nicht ungewöhnlich: Seit 2018 ist der niedrigste Wert mit 203 Fällen pro 100.000 Personen im Jahr 2022 erreicht worden, während der Höchstwert in der Coronapandemie im Jahr 2020 mit 241 Fällen auftrat.
Dr. Dominik von Stillfried, Zi-Vorstandsvorsitzender, sagt: „Die Einflussfaktoren der Lyme-Borreliose-Inzidenz sind vielfältig: Klimatische Bedingungen können in bestimmten Regionen zu einem Anstieg der Infektions- und Erkrankungszahlen beitragen. Milde Winter sowie warme und feuchte Perioden über das Jahr hinweg verlängern die Aktivitätsdauer und erhöhen die Dichte der Zecken. So kommt es häufiger zu Kontakten zwischen Menschen und Parasiten. Präventive Maßnahmen gewinnen daher zunehmend an Bedeutung“.
Erreger beim Menschen
Die Lyme-Borreliose stellt die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa dar. Sie wird durch Bakterien der Gattung Borrelia ausgelöst, deren Hauptreservoir sind Mäuse und Vögel. Eine Schutzimpfung gibt es in Deutschland nicht. Im gesamten Europa erfolgt die Übertragung überwiegend durch den Stich der Zeckenart Ixodes ricinus. Die Erkrankung kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke, typisch ist das Erythema migrans (Wanderröte). Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.
Hundehalter aufgepasst!
Die canine Babesiose ist eine schwere Erkrankung bei Hunden, ausgelöst durch die Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus), die sich in den vergangenen Jahren in weiten Teilen Deutschlands etabliert hat. Neben klimatischen Bedingungen ist auch der Import infizierter Hunde aus dem Ausland dafür verantwortlich. Vielen Hundehaltern ist die Krankheit kaum bekannt. Veterinärmediziner der Freien Universität Berlin empfehlen deshalb einen lückenlosen Zeckenschutz über das gesamte Jahr.
Wenn ein Hund sich durch Dermacentor reticulatus infiziert hat, vermehren sich die Parasiten in den roten Blutkörperchen und führen zu massiver Zerstörung. Typische Krankheitsanzeichen sind Mattigkeit, Appetitlosigkeit, hohes Fieber, blasse Schleimhäute und dunkel verfärbter Urin. Die Diagnose der Babesiose erfolgt durch tierärztliche Untersuchung einer Blutprobe. Ohne rechtzeitige Behandlung verläuft die Erkrankung oft tödlich. „Wer einmal einen akut an Babesiose erkrankten Hund gesehen hat, wird nicht vergessen, wie sehr die Tiere leiden. Die gute Nachricht ist: Mit einem kontinuierlich aufgefrischten Zeckenschutz lässt sich eine Erkrankung zuverlässig vermeiden“, sagt Prof. Dr. Georg von Samson-Himmelstjerna, Geschäftsführender Direktor des Institutes für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin.
Für den Schutz vor Zecken stehen wirksame Präparate zur Verfügung: als Hundehalsband, Tropfbehandlung, (Kau-) Tabletten oder Injektion. Je nach Produkt hält die Wirkung zwischen einem Monat und einem Jahr an, sodass Wiederholungsbehandlungen eingeplant werden müssen. Da die Wiesenzecke ganzjährig aktiv sein kann, wird ein lückenloser Zeckenschutz über das gesamte Jahr empfohlen.
Artikel teilen




