Detaillierte Ganzkörperbilder in einem Schritt

Neue Top-Technik
Kli
Detaillierter Einblick: Klinikdirektor Prof. Dr. Frank Bengel (rechts) begutachtet gemeinsam mit Oberarzt Dr. Philipp Rath eine Aufnahme des Total-Body-PET/CT.
Detaillierter Einblick: Klinikdirektor Prof. Dr. Frank Bengel (rechts) begutachtet gemeinsam mit Oberarzt Dr. Philipp Rath eine Aufnahme des Total-Body-PET/CT. © Karin Kaiser/MHH
Newsletter­anmeldung

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Der MT-Dialog-Newsletter informiert Sie jede Woche kostenfrei über die wichtigsten Branchen-News, aktuelle Themen und die neusten Stellenangebote.

Formularfelder Newsletteranmeldung

* Pflichtfeld

Mit dem ersten Total-Body-PET/CT in Deutschland, dem vierten weltweit, setzt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) neue Maßstäbe in Diagnostik, Patientenversorgung und Forschung.

Als erste Einrichtung in Deutschland und vierte weltweit hat die Klinik für Nuklearmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ein sogenanntes Total-Body-PET/CT-System mit einem Sichtfeld von rund 150 Zentimetern in Betrieb genommen. Mit dem innovativen Gerät können in einem Schritt dreidimensionale Bilder fast des gesamten menschlichen Körpers erfasst werden.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs erklärte anlässlich des offiziellen Starts, dass Niedersachsen mit dem neuen Total-Body-PET/CT seine Vorreiterrolle in der Nuklearmedizin weiter ausbaue: „Das bundesweit einmalige Gerät wird nicht nur den Patientinnen und Patienten an der MHH und der Universitätsmedizin Göttingen dank seiner hochpräzisen und schnellen Bildgebung zugutekommen. Es öffnet auch neue Möglichkeiten in der Erforschung bestimmter Krankheiten und ihrer Zusammenhänge.“

Zudem profitierten die medizinischen Nachwuchskräfte von dieser Infrastruktur. Sie könnten von Beginn an auf dem neuesten Stand der Technik arbeiten und dieses Wissen langfristig in Niedersachsen sichern. MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner betonte die Bedeutung der neuen Anlage für die Hochschule: „Mit der Einführung des Total-Body-PET/CT stärken wir nicht nur unsere Forschung, sondern ermöglichen unseren Patientinnen und Patienten modernste Diagnostik auf höchstem Niveau.“

Kombiniertes Untersuchungsverfahren

„Die Möglichkeit der Ganzkörperdarstellung hat viel Potenzial für Diagnostik, Behandlung und Forschung. Das Gerät liefert nicht nur genauere Darstellungen, es arbeitet auch schneller und strahlungsärmer – das sind wesentliche Vorteile für die Patientinnen und Patienten“, erklärte Klinikdirektor Prof. Dr. Frank Bengel. Die PET/CT-Technik ist ein wichtiger Bestandteil der onkologischen, immunologischen, kardiologischen und neurologischen Diagnostik. Dabei werden zwei Bildgebungsverfahren miteinander kombiniert: die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die Computertomografie (CT).

PET-Untersuchungen dienen dazu, molekulare Prozesse im Körper darzustellen. Um sie sichtbar zu machen, werden leicht radioaktiv markierte Spürsubstanzen, auch Tracer genannt, eingesetzt. Ein häufig genutzter Tracer ist beispielsweise FDG, eine radioaktiv angereicherte Zuckerart, die dabei hilft, Krebstumoren aufzuspüren. „Krebszellen verbrauchen vermehrt Zucker. Aufgrund ihrer erhöhten Stoffwechselaktivität können wir Tumore mit höchster Empfindlichkeit identifizieren“, so Prof. Dr. Sibylle Ziegler, Leiterin der PET-Forschung an der Klinik für Nuklearmedizin.

Bei CT-Untersuchungen hingegen werden 3D-Schnittbilder erstellt, die detailliert Knochen, Organe und Gefäße zeigen. Bei einer kombinierten PET/CT-Untersuchung werden beide Scans direkt nacheinander in derselben Geräteeinheit durchgeführt. Diese Aufnahmen werden anschließend am Rechner fusioniert. „So werden funktionelle und anatomische Informationen zusammengebracht. Tumore oder auch Entzündungen können genau lokalisiert werden“, erklärt Prof. Ziegler. Die herkömmliche PET/CT-Anlage der Klinik für Nuklearmedizin kann nur ein Sichtfeld von etwa 25 Zentimetern erfassen.

Aufnahmen vom Scheitel bis zum Oberschenkel

Die neue Total-Body-PET/CT-Anlage hebt diese Technik nun auf ein ganz anderes Niveau. Denn statt mit dem bisher üblichen Sichtfeld von 25 Zentimetern wartet das neue Gerät mit einem Sichtfeld von bis zu 150 Zentimetern auf. „Wir können mit einer Aufnahme dreidimensionale Bilder des menschlichen Körpers vom Scheitel bis zum Oberschenkel erstellen“, sagt Ziegler. „Das heißt, wir erfassen die molekularen Prozesse in nahezu dem ganzen Körper gleichzeitig. Damit wird eine Betrachtung des Körpers als Gesamtsystem ermöglicht, was über den gängigen Blick auf einzelne Organe hinausgeht.“

Diese Übersichten sind zum Beispiel sehr wichtig bei der Darstellung von im Körper verstreuten Metastasen eines Ursprungstumors. Bisher mussten mehrere kleinflächige Aufnahmen nacheinander angefertigt und diese dann am Rechner zu einer großen Übersicht zusammengefügt werden. Eine solche Aufnahme dauerte etwa 20 bis 25 Minuten. Das neue Gerät kann diese großflächigen Darstellungen schon in weniger als einer Minute liefern.

Schneller und schonender

Die kürzere Zeit in der „Röhre“ ist ein großer Vorteil für die Patientinnen und Patienten, etwa wenn sie aufgrund von Schmerzen nicht lange in einer Position verharren können oder wenn es sich um kleine Kinder handelt, denen es schwerfällt, längere Zeit still zu liegen. Darüber hinaus profitieren die Patientinnen und Patienten auch davon, dass beim Total-Body-PET/CT weniger Strahlung benötigt wird, die Untersuchungen sind also schonender.

„Die Messtechnik ist ausgesprochen sensibel, sie kommt mit deutlich geringeren Mengen verabreichter Radioaktivität aus, um die erforderliche Bildqualität zu erreichen“, erklärt Ziegler. Obwohl weniger Strahlung zum Einsatz komme, seien die Aufnahmen kontrastreicher und schärfer als bei herkömmlichen Geräten. Die Expertin ist vor allem davon angetan, dass die Aufnahmen viel mehr Details zeigen. „Die Bilder haben eine Auflösung von bis zu drei Millimetern. Das ist fantastisch, wenn man bedenkt, dass der bisherige Standard bei über vier Millimeter liegt.“

Neue Möglichkeiten für die Forschung

Die Möglichkeit, molekulare Vorgänge zeitgleich im fast ganzen Körper darzustellen, bringt die bildgebende Diagnostik nach vorn. So kann jetzt möglicherweise der Erfolg einer Krebstherapie früher und besser erkannt und die Therapie genauer angepasst werden. Das Team der Klinik für Nuklearmedizin wird an dem neuen Total-Body-PET/CT deutlich mehr Patientinnen und Patienten pro Tag untersuchen können.

Doch die Top-Technik wird nicht nur für klinische Zwecke genutzt. Sie eröffnet auch Forschenden zahlreicher Fachrichtungen neue Perspektiven, etwa wenn es darum geht, neue Tracer oder auch neue Medikamente zu entwickeln und einzusetzen.

Quelle: idw

Artikel teilen

Online-Angebot der MT im Dialog

Um das Online-Angebot der MT im Dialog uneingeschränkt nutzen zu können, müssen Sie sich einmalig mit Ihrer DVTA-Mitglieds- oder Abonnentennummer registrieren.

Stellen- und Rubrikenmarkt

Möchten Sie eine Anzeige in der MT im Dialog schalten?

Stellenmarkt
Industrieanzeige