Ebola-Impfstoff: T-Zell-Kreuzreaktivität gegen das Bundibugyo-Virus
T-Zell-Reaktionen tragen bei verschiedenen Virustypen zur Viruskontrolle und zum Schutz vor schweren Erkrankungen bei. Da T-Zellen konservierte virale Epitope erkennen können, besteht die Möglichkeit, dass sie bei verwandten Viren kreuzreagieren. Ob die VSV-EBOV-Impfung beim Menschen jedoch auch T-Zellen induziert, die BDBV erkennen, ist bislang unbekannt.
Ein Forschungsteam des DZIF unter der Leitung von Dr. Leonie Mayer und Prof. Marylyn Addo vom Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie von Prof. Christof Geldmacher und Dr. Rolanda Londt vom Institut für Infektions- und Tropenmedizin am LMU Klinikum München analysierte und kartierte daher die T-Zell-Reaktionen gegen das Ebola-Virus (EBOV), das Bundibugyo-Virus (BDBV) und das Sudan-Virus (SUDV) bei mit VSV-EBOV geimpften Personen. Die Glykoproteine der drei Viren sind phylogenetisch weit voneinander entfernt: EBOV und BDBV weisen eine Aminosäureidentität von 66,3 % auf, während diese zwischen EBOV und SUDV bei 56,3 % liegt.
Paralleler Vergleich mehrerer Aminosäuresequenzen
„Mithilfe von Multiplen Sequence Alignments – dem parallelen Vergleich mehrerer Aminosäuresequenzen – haben wir mehrere Sequenzen identifiziert, die zwischen den Glykoproteinen von EBOV, BDBV und SUDV hochkonserviert sind, und diese Regionen auf Reaktionen mit dem Immunsystem der Geimpften getestet“, sagt Erstautorin Mayer.
Anschließend untersuchten die Forscher 28 Tage nach der VSV-EBOV-Impfung die kreuzreaktiven T-Zell-Reaktionen bei 20 geimpften Personen. Von diesen Geimpften wiesen 16 am 28. Tag nach der Impfung EBOV-Glykoprotein-spezifische T-Zell-Reaktionen auf, 13 zeigten BDBV-Glykoprotein-reaktive T-Zell-Reaktionen und sieben SUDV-Glykoprotein-reaktive T-Zell-Reaktionen. Die meisten Geimpften mit einer positiven EBOV-Glykoprotein-Reaktion wiesen auch BDBV-reaktive T-Zellen auf.
T-Zell-Reaktionen sind für einen durch den Impfstoff vermittelten Schutz erforderlich
Die Studie zeigt, dass eine einmalige Impfung mit dem verfügbaren, zugelassenen EBOV-Impfstoff eine Kreuzreaktivität der T-Zellen gegen BDBV und – in geringerem Maße – gegen SUDV auslösen kann. Ob diese T-Zellen zu besseren klinischen Ergebnissen bei einer Infektion mit BDBV beitragen können, ist zwar nicht bekannt, doch deuten präklinische Studien an nichtmenschlichen Primaten darauf hin, dass T-Zell-Reaktionen für einen durch den Impfstoff vermittelten Schutz erforderlich sind.
„Unsere Ergebnisse liefern den ersten Nachweis dafür, dass die VSV-EBOV-Impfung gegen das Ebola-Virus BDBV-kreuzreaktive T-Zell-Reaktionen auslöst“, sagt Geldmacher. „Zwar weist die Studie aufgrund der geringen Stichprobengröße Einschränkungen auf, doch da es keinen BDBV-spezifischen Impfstoff gibt, spricht die Studie dafür, den EBOV-Impfstoff im Rahmen klinischer Studien während des aktuellen BDBV-Ausbruchs systematisch zu evaluieren“, fasst er zusammen.
Quelle: idw
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