Kontrolle über das Epstein-Barr-Virus
Das Eppstein-Barr-Virus (EBV) ist weit verbreitet, fast 90 bis 95 Prozent der Weltbevölkerung sind damit infiziert. Es kann manche Krebsarten, wie das Hodgkin-Lymphom (HL), oder auch Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) auslösen, dazu muss es jedoch nicht kommen. Während EBV ein Leben lang im Körper bleibt und sich in weißen Blutkörperchen versteckt, den B-Gedächtniszellen, bleibt es in den meisten Fällen inaktiv. Dadurch kann es sich dem Immunsystem entziehen. Spontan oder durch Stress kann es jedoch aktiviert werden. Wie der Körper das Virus unter Kontrolle hält, war bisher unbekannt.
Erhöhte EBV-Last
Forschende des Universitätsklinikums Bonn (UKB) haben nun genetische und nicht-genetische Faktoren identifiziert, wodurch der Körper EBV bekämpfen kann. Dafür haben sie über Genomsequenz-Daten abgeschätzt, wie hoch die EBV-Last im Blut ist. Dafür untersuchten sie die Daten aus dem Blut von mehr als 485.000 Personen der UK Biobank und mehr als 335.000 Teilnehmenden des Projekts „All of us“. Bei 16,2 Prozent bzw. 21,8 Prozent fanden sie kurze DNA-Abschnitte, die dem EBV-Genom zuzuordnen waren, sogenannte EBV-Reads. „Personen, bei denen solche EBV-Reads nachgewiesen werden, haben im Durchschnitt eine erhöhte EBV-Viruslast. Dies konnten wir mit Laboruntersuchungen zeigen", erläutert Erstautor Dr. Axel Schmidt vom Institut für Humangenetik des UKB. „Damit eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, um die noch vielen Fragen zum Thema EBV-Immunität zu untersuchen.“
Rauchen erhöht die Viruslast
Denn trotz der Relevanz ist bisher nur wenig darüber bekannt, wie der Körper das Virus kontrolliert oder das Virus zu den Erkrankungen beiträgt. Mit den neuen Daten suchten die Forschenden Zusammenhänge zu anderen Risikofaktoren, zunächst zu nicht-genetischen Faktoren. Es zeigte sich, dass bei Rauchern und immungeschwächten Personen eine erhöhte Anzahl an EBV-Reads zu finden waren. Rauchen war bereits als Risikofaktor für einige EBV-assoziierte Erkrankungen bekannt. Zugrundeliegende Mechanismen bleiben jedoch weiter unbekannt. Auch zur Jahreszeit konnten Hinweise gefunden werden. Wurde die Probe im Winter entnommen, war die Viruslast höher als von Proben aus dem Sommer.
Genetische Verbindungen zum Immunsystem
Im genetischen Bereich zeigten sich Verbindungen und dem Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC)-Locus – einem Schlüsselspieler im Abwehrsystem. Hier liegen Baupläne für Proteine, die dem Immunsystem helfen, fremde Stoffe wie Viren und Bakterien zu entdecken. Zu 27 weiteren Regionen in der DNA wurden Verbindungen gefunden, darunter noch andere mit Funktionen fürs Immunsystem. Diese könnten eine plausible Erklärung für die Kontrolle über das Virus liefern, doch auch die anderen Verbindungen müssen überprüft werden.
Außerdem konnten die Forschenden anhand der Daten neue Hypothesen stellen zu den zugrundeliegenden Mechanismen bei MS und Typ-1-Diabetes, einer weiteren Erkrankung, die nun mit EBV in Verbindung steht.
Quelle: UKB
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