Meningokokken: Vorsicht ist angebracht
Meningokokken-Infektionen treten in Deutschland selten auf, können jedoch innerhalb weniger Stunden einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Im laufenden Jahr gab es bis MW23 laut RKI 128 Fälle invasiver Meningokokken-Erkrankungen (2025: 318, 2024: 344). Die Stiftung Kindergesundheit weist nun auf die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung sowie auf die erweiterten Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) hin, die sowohl Säuglinge, Kinder und Jugendliche, aber auch die allgemeine Bevölkerung durch sogenannten Gemeinschaftsschutz, besser schützen sollen.
12 Serogruppen
Unterschieden werden bei den Meningokokken insgesamt 12 Serogruppen. Weltweit sind vor allem die Gruppen A, B, C, W, X und Y für invasive Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich. In Deutschland dominieren derzeit die Serogruppen B und Y. Meningokokken werden durch engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, etwa über Tröpfchen beim Husten, Niesen oder durch direkten Speichelkontakt. Dies ist der Grund, warum Ausbrüche bspw. in Kitas schnell voranschreiten können. Infektionen durch alltägliche Begegnungen ohne engen Kontakt sind dagegen eher unwahrscheinlich. Babys und Kleinkinder unter 5 Jahren haben das höchste Risiko an einer Meningokokken-Infektion der Serogruppe B zu erkranken. Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen durch die Serogruppen A, C, W und Y, so die Stiftung Kindergesundheit. Allerdings können erkrankte Personen bereits einige Tage vor Beginn der Symptome ansteckend sein. Enge Kontaktpersonen, insbesondere Haushaltsmitglieder und enge Bezugspersonen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko selbst zu erkranken. Für diese Personen wird deswegen eine vorsorgliche antibiotische Behandlung empfohlen, die möglichst schnell erfolgen sollte (bis 10 Tage nach dem letzten Kontakt zu einer erkrankten Person).
Schnelle Verschlechterung möglich
„Meningokokken-Infektionen sind zwar selten, sie gehören aber zu den Erkrankungen, bei denen innerhalb weniger Stunden aus zunächst unspezifischen Beschwerden ein lebensbedrohlicher Notfall werden kann“, betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Gerade deshalb sind eine schnelle Diagnose und ein wirksamer Impfschutz so wichtig.“ Invasive Meningokokken-Erkrankungen verursachen meist eine Meningitis (Hirnhautentzündung) und/oder eine Sepsis (Blutvergiftung). Letztere kann zu einem septischen Schock und zum Tod führen. Die Erkrankung beginnt häufig mit unspezifischen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl. Innerhalb kurzer Zeit kann jedoch ein lebensbedrohliches Krankheitsbild entstehen. Typisch bei einem septischen Verlauf sind punktförmige Blutungen unter der Haut und/oder Hautauschlag mit roten, erhabenen Stellen. Diese treten bei etwa jedem zweiten Betroffenen auf. Bei einer Beteiligung der Hirnhäute kommt es zusätzlich zu Nackensteifigkeit und Erbrechen. Auch Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder Hirnnervlähmungen können vorkommen. Bei besonders schweren Verläufen kann es zu Kreislaufversagen, Gerinnungsstörungen und Organversagen kommen.
Isolation ist notwendig
„Viele Symptome ähneln anfangs einem grippalen Infekt. Verschlechtert sich der Zustand rasch oder treten Hauteinblutungen auf, die bei Aufdrücken eines durchsichtigen Trinkglases sichtbar bleiben, muss sofort ärztlich gehandelt werden“, erklärt Prof. Koletzko. Bei Säuglingen und Kleinkindern sei die Erkrankung oft schwer zu erkennen. Typische Zeichen wie Nackensteifigkeit können fehlen. Stattdessen zeigten sich unspezifische Symptome wie Fieber, Schläfrigkeit oder Reizbarkeit, Erbrechen oder Krampfanfälle. Auch eine vorgewölbte oder harte Fontanelle könne ein Hinweis sein. Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung ist sofort ein Krankenhaus mit Kinderfachabteilung aufzusuchen, um eine schnelle Diagnose und Behandlung zu gewährleisten. Eine unverzügliche Therapie ist bereits bei dem Verdacht auf diese Erkrankung notwendig, da sich der Zustand innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern kann. Zum Einsatz kommen zunächst breit wirksame Antibiotika, die nach dem Erregernachweis angepasst werden. Erkrankte sollten bis 24 Stunden nach Beginn der spezifischen Behandlung isoliert werden und sind danach in der Regel nicht mehr ansteckend.
Impfungen können Todesfälle verhindern
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung in den letzten Jahren angepasst. Seit 2024 wird allen Säuglingen ab einem Alter von zwei Monaten eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B empfohlen. Versäumte Impfungen sollen bis zum fünften Geburtstag erfolgen. Seit 2025 wird zusätzlich eine Impfung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren gegen die Serogruppen A, C, W und Y empfohlen. Versäumte Impfungen sollen bis zum Alter von unter 25 Jahren nachgeholt werden. Neben den Standardimpfungen gibt es Empfehlungen für bestimmte Personengruppen mit erhöhtem Risiko. Dazu zählen unter anderem Menschen mit eingeschränktem Immunsystem, enge Kontaktpersonen von Erkrankten sowie Reisende in Regionen mit erhöhtem Infektionsrisiko. Impfungen sollten mindestens 2 Wochen vor Langzeitaufenthalten bzw. vor Reiseantritt erfolgen. „Die neuen Impfempfehlungen verbessern den Schutz vor schweren Meningokokken-Erkrankungen“, sagt Prof. Koletzko. „Impfungen können schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle verhindern.“ Entsprechend empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit, den Impfstatus regelmäßig zu überprüfen und die aktuellen STIKO-Empfehlungen zu berücksichtigen. Eine konsequente Umsetzung der Impfempfehlungen sowie eine rasche Behandlung im Verdachtsfall seien entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern.
Quelle: idw/Stiftung Kindergesundheit
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