Die Sepsis-Stiftung lädt am 3. September zu einem Media & Policy Briefing ein. Ziel ist, Politik, Selbstverwaltung, Qualitätssicherung, Leistungserbringer, Patientenvertretungen, Medien und medizinische Fachwelt zusammenzubringen, um die acht Forderungen in verbindliches gemeinsames Handeln zu übersetzen, Verantwortlichkeiten zu klären und konkrete nächste Schritte für jährlich mindestens 10.000 weniger sepsisbedingte Todesfälle festzulegen.
Sepsis ist ein zeitkritischer medizinischer Notfall. Dennoch sind Warnzeichen, Präventionsmöglichkeiten und Dringlichkeit in Deutschland noch immer nicht ausreichend bekannt. Nach den im neuen Dossier ausgewerteten GBD/MICROBE-Daten der Autoren des Global Burden of Disease Reports ist in Deutschland selbst ohne COVID-19-bedingte virale Sepsis von mindestens 140.000 sepsisbedingten Todesfällen pro Jahr auszugehen. Internationale Vergleiche zeigen ein erhebliches Verbesserungspotenzial: Während die sepsisbezogene Mortalität in Deutschland zwischen 1990 und 2019 um 10,1 Prozent zunahm, ging sie in Norwegen um 26,7 Prozent und in Finnland um 21,1 Prozent zurück. Während der COVID-19-Pandemie stieg sie in Deutschland von 2019 bis 2021 nochmals um 51,5 Prozent. Die internationalen Vergleiche zeigen einen erheblichen Handlungs- und Lernbedarf.
Mindestens 10.000 sepsisbedingte Todesfälle pro Jahr müssten verhindert werden
Das Sepsis-Dossier Deutschland 2026 benennt mit acht konkreten Forderungen die jetzt notwendigen Schritte. Ihre zeitnahe Umsetzung sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, in Deutschland künftig mindestens 10.000 sepsisbedingte Todesfälle pro Jahr zu verhindern.
Besonders wirksam und kosteneffizient können diese Forderungen umgesetzt werden, wenn die bislang häufig getrennt bearbeiteten Handlungsfelder Infektionsprävention, Pandemiebereitschaft, Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen und der zeitkritische Notfall Sepsis miteinander verknüpft werden. Eine Nationale Infektionsmanagementstrategie schafft dafür den gemeinsamen Rahmen, nutzt Synergien, überwindet getrennte Zuständigkeits- und Förderbereiche und verbindet Verantwortlichkeiten sowie Umsetzungsschritte.
Erfahrungen aus dem deutschen und britischen Gesundheitssystem
„Deutschland verfügt über hervorragende medizinische und wissenschaftliche Voraussetzungen. Mit einer nationalen Infektionsmanagementstrategie wollen wir Prävention, Früherkennung, Akutversorgung, Rehabilitation sowie Forschung und Innovation bei Sepsis weiter deutlich verbessern. Entscheidend ist, vorhandenes Wissen konsequent in bessere Versorgung und weniger Todesfälle zu übersetzen“, so Prof. Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender, und Prof. Marlies Ostermann, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sepsis-Stiftung.
Die gemeinsame Position verbindet Erfahrungen aus dem deutschen und britischen Gesundheitssystem. Die Sepsis-Stiftung fordert konkretes gemeinsames Handeln entlang der gesamten Rettungs- und Versorgungskette – von Prävention, Früherkennung und Diagnostik über zeitkritische Behandlung und Qualitätssicherung bis zu Rehabilitation, Langzeitfolgen sowie Forschung und Innovation.
Niedrigschwelliger Zugang zu qualifizierter medizinischer Beratung gefordert
„Hausärztinnen und Hausärzte spielen eine Schlüsselrolle dabei, die Krankheitslast durch Sepsis nachhaltig zu senken. Sie erreichen das durch Prävention mit überzeugender Impfberatung, frühzeitiges Erkennen von Infektionen und Sepsis, sofortigen Beginn ärztlicher Therapie unter richtiger Einschätzung einer möglichen Notfallsituation und im Verlauf qualifizierter Begleitung von Betroffenen mit Langzeitfolgen. Besonders an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung können sie dazu beitragen, dass aus Wissen rechtzeitiges Handeln wird.“, betont Dr. Irmgard Landgraf, Vorstandsmitglied der Sepsis-Stiftung.
Eltern, Betroffene und Angehörige benötigen der Sepsis-Stiftung zufolge bei einer akuten gesundheitlichen Verschlechterung, wenn eine schwere Infektion oder Sepsis nicht ausgeschlossen ist, rund um die Uhr einen niedrigschwelligen Zugang zu qualifizierter medizinischer Beratung mit fachärztlicher Expertise. Ihre Beobachtungen müssten ernst genommen werden und einen klaren Eskalationsweg auslösen können.
Quelle: idw
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