Neuer Sprachtest, der auf Alltagssituationen basiert

Forschungsprojekt „Alltagsnahe Hörgeräte-Evaluation mittels virtueller Akustik“ (AHEVA)
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Dieses Bild zeigt einen schalltoten Raum (Anechoic Chamber), der speziell dafür entwickelt wurde, Schallreflexionen vollständig zu absorbieren und externe Geräusche zu isolieren. Die Anordnung umfasst mehrere Lautsprecher, die kreisförmig angeordnet sind. Die Wände sind mit schallabsorbierenden Materialien ausgestattet, um Echo und Störungen zu minimieren.
Im Rahmen von AHEVA wurde ein neuartiger Sprachtest entwickelt, der auf alltagsnahen Dialogen basiert. © TH Lübeck
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Wie gut verstehen wir Gespräche im echten Leben und nicht nur im Testlabor? Dieser Frage gehen Prof. Dr. Tim Jürgens und sein Team an der Technischen Hochschule Lübeck nach. Ziel ist es, Hörgeräte künftig unter Bedingungen zu testen, die dem Alltag deutlich näherkommen als klassische Verfahren.

Bisherige Untersuchungsverfahren im Labor gelten als wenig alltagsnah, und alternative Feldtests mit Hörgeräten mittels Fragebögen im Alltag sind schlecht reproduzierbar. Die Sprachtests in der Audiologie arbeiten häufig mit isolierten Wörtern oder künstlich konstruierten Sätzen. Doch wie realistisch sind solche Tests, wenn es darum geht, Gespräche in einer belebten Umgebung zu verstehen?

Im Rahmen von AHEVA wurde ein neuartiger Sprachtest entwickelt, der auf alltagsnahen Dialogen basiert. Statt einzelner Wörter wird das Sprachverstehen anhand von Schlüsselwörtern im Kontext realitätsnaher Gespräche gemessen. Ein zentraler Innovationsbaustein: Die verwendete Sprache wird synthetisch durch künstliche Intelligenz erzeugt. Ihre Qualität ist inzwischen so hoch, dass sie kaum noch von echten Sprachaufnahmen zu unterscheiden ist.

Virtuelle Realität trifft Hörforschung

Das Deutsche Hörgeräte Institut (DHI) kofinanziert das Projekt AHEVA und beteiligt sich aktiv sowie beratend an der Bearbeitung der Arbeitspakete. So konnten die Forschenden in einer ersten Pilotstudie zeigen, dass diese KI-generierte Sprache, eingebettet in eine in 3D-simulierte Cafeteria-Umgebung, von Probanden als realistisch wahrgenommen wird.

Könnten Hörgeräte in Zukunft präziser auf individuelle Alltagssituationen angepasst werden? Genau hier setzt die Forschung an und die Ergebnisse sind eindeutig: Normalhörende erzielen unter definierten Bedingungen ein hohes Sprachverstehen, Schwerhörende ohne Hörgeräte schneiden deutlich schlechter ab und mit einer angepassten Hörgeräteversorgung verbessert sich das Sprachverstehen signifikant. Damit gelingt der „Proof of Concept“: Alltagssituationen lassen sich im Labor realitätsnah simulieren und der Nutzen von Hörgeräten wird messbar.

Was bedeutet das für Betroffene? Ein Blick nach vorn

Die Ergebnisse des Projekts werden aktuell auf nationalen und internationalen Fachkonferenzen vorgestellt. Unter anderem in Paris, auf der nationalen Audiologietagung in Oldenburg und geplant im August auf der internationalen Hörgeräte-Entwicklerkonferenz in Kanada.

Realistischere Tests schaffen die Grundlage für bessere Versorgung und mehr Lebensqualität. Neben der Cafeteria wurden bereits weitere alltagsnahe Testszenarien entwickelt. Darunter ein Großraumbüro und ein Live-Konzert mit dazu passenden Dialogen. Denn gutes Hören beginnt zwar im Labor, zeigt sich jedoch besonders im echten Leben und bedeutet Teilhabe im Alltag.

Weitere Informationen:
https://www.th-luebeck.de/AHEVA

Quelle: idw

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