SARS-CoV-2: Auswirkungen immer deutlicher sichtbar

Medical Gaslighting ist gefährlich
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Holzwürfel stellen das Wort Long COVID dar.
© HNFOTO/stock.adobe.com
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Inzwischen werden fast täglich neue Studien zu den Auswirkungen und Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion veröffentlicht. Und die meisten sind eher beunruhigend. Ein paar wollen wir hier vorstellen.

Eine der neuen Studien betrachtet Long COVID unter Mitarbeitenden im Gesundheitssektor in Spanien [1]. Zwischen 2020 und 2023 wurde in drei spanischen Krankenhäusern eine multizentrische Studie durchgeführt. Ziel war es, die Long-COVID-Prävalenz zu ermitteln, auch differenziert nach Geschlecht, Alter u.ä. Die Daten umfassten 8.439 Beschäftigte. Es zeigte sich, dass die Prävalenz zwischen 3 und 5 Prozent lag und mit dem Alter zunahm. Die Autoren betonen, dass es wichtig sei, die arbeitsmedizinische Überwachung und Nachsorge im Hinblick auf Long COVID für alle Krankenhausbereiche – sowohl im klinischen als auch im nicht-klinischen Umfeld – zu stärken. Zudem merken sie an, dass Strategien zur Prävention und zur Rückkehr an den Arbeitsplatz geschlechtsspezifische und berufsbezogene Muster von Long COVID bei Beschäftigten im Gesundheitswesen berücksichtigen sollten.

Daten aus der Omikron-Zeit

Dass es ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko nach einer SARS-CoV-2-Infektion gibt, ist schon länger bekannt. Doch wie sieht es seit Omikron aus? Hat sich das Risiko verändert? Auch dazu gibt es eine aktuelle Studie [2]. Untersucht wurde das Risiko für Tod und schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse bei älteren Erwachsenen in den USA. Es handelt sich um eine retrospektive Kohortenstudie mit Medicare-Versicherten im Alter von 65 Jahren oder darüber, die stationär behandelt wurden. Mit über 1,18 Mio. Patientinnen und Patienten war es eine große Studie. Es gab drei Kohorten: eine vor Omikron, eine in der Omikron-Zeit und eine mit Influenza. Da immer wieder behauptet wird, Omikron sei harmlos(er), ist es erstaunlich, dass am Ende zwar die Omikron-Kohorte ein etwas niedrigeres Sterberisiko aufwies (34,2 % gegenüber 39,7 %; Risikodifferenz: −5,5 % [−5,7 % bis −5,3 %]) im Vergleich zur Vor-Omikron-Kohorte. Allerdings wies die Omikron-Kohorte ein höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke (TIA), Lungenembolie, tiefe Venenthrombose und Herzinsuffizienz auf, also alles Diagnosen mit einem erheblichen Potenzial für langfristige Behinderung oder früheren Tod. Somit zeigt sich, dass ältere Menschen nach einer schweren SARS-CoV-2-Infektion zwar nicht sofort sterben, aber ein höheres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse haben. Am Rande: Beide Risiken (Tod und kardiovaskuläre Ereignisse) lagen höher als bei Influenzainfektionen. Auch hier betonen die Autoren, dass wirksame Strategien zur kardiovaskulären Prävention nach einem Krankenhausaufenthalt aufgrund von COVID-19 notwendig seien.

Was passiert bei Fatigue?

Eine weitere Studie hat sich dem Thema Fatigue gewidmet, ein recht häufiges und die Betroffenen stark beeinträchtigendes Symptom nach einer SARS-CoV-2-Infektion und oft ein Teil von Long COVID. Es wurde untersucht, ob der Schweregrad der Fatigue mit immunologischen und metabolischen Veränderungen im Serum zusammenhängt. Es handelt sich um eine kleine Studie mit 38 Personen, bei denen Serum-Zytokine, Metaboliten des Kynurenin-Stoffwechselwegs sowie Tryptophan- und Monoamin-bezogene Metaboliten bestimmt wurden. Um zu eruieren, ob die Veränderungen die Zellfunktion des Hippocampus (in vitro) beeinflussen können, wurden zudem humane hippocampale Vorläuferzellen während der Proliferation und Differenzierung einem Medium mit 1 Prozent Patientenserum ausgesetzt. Gemessen wurden Zytokinfreisetzung, Metabolitenproduktion sowie Marker für Neurogenese (Doublecortin, DCX) und astrozytäre Reaktivität (glial fibrillary acidic protein, GFAP; Aquaporin-4, AQP4). Es hat sich gezeigt, dass der Schweregrad der Fatigue mit niedrigeren Serumspiegeln von Interleukin-8 (IL-8) sowie mit geringeren Konzentrationen von Metaboliten des Kynurenin-Wegs und Tryptophan- bzw. Monoamin-bezogenen Metaboliten – darunter Kynurenin (KYN), Chinolinsäure (QUIN) und 5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA) – korreliert. Die Exposition der hippocampalen Zellen gegenüber Serum von Personen mit stärker ausgeprägter Fatigue ging mit einer erhöhten endogenen Produktion von Interleukin-13 (IL-13) und dem Kynurenin-Metaboliten Anthranilsäure (ANA) im Zellüberstand einher sowie mit einer gesteigerten Neurogenese (erhöhte DCX-Expression) und verstärkter astrozytärer Reaktivität (erhöhte GFAP-Expression). Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse darauf hindeuteten, dass Fatigue nach einer COVID-19-Infektion mit neuroimmunologischen und metabolischen Veränderungen in hippocampalen Zellen assoziiert sei, an denen der periphere Serotonin-Stoffwechsel (5-HIAA) und Zytokin-Signalwege (IL-13) beteiligt seien. Eventuell können sich daraus Biomarker und therapeutische Ziele ergeben.

Was ist im MRT zu sehen?

Eine russische Studie [4] hat sich im MRT die auf den ersten Blick normal erscheinende weiße und graue Substanz des Gehirns näher angeschaut. Dabei wurden MS-, Parkinson-, Long COVID- und normale Patienten betrachtet. Die Studie umfasste insgesamt 196 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es wurde ein MRT-Scan mit MPF-Mapping durchgeführt. Es hat sich gezeigt, dass innerhalb der Gruppe der Long-COVID-Patienten die stärkste globale MPF-Reduktion bei Patienten, die unter Depressionen und Insomnie als COVID-19-Komplikationen litten, zu sehen war. Die Autoren schlussfolgern, dass die MPF-Kartierung eine hohe Sensitivität gegenüber alters- und krankheitsbedingten Unterschieden in der Myelinisierung des Gehirns zeigt, insbesondere in der grauen Substanz. 

Einfluss von Long COVID auf das Gedächtnis

Die Symptome von Long COVID sind sehr vielschichtig. Neben dem bereits erwähnten Fatigue ist es oft auch „Brain Fog“. Eine Studie hat sich angeschaut, wie sich das Arbeitsgedächtnis bei Long COVID verändert. Verwendet wurde das „Rapid Objective Working Memory Assessment“ (ROWMA). Dabei geht es um kurze, spielerisch gestaltete visuelle Erkennungsaufgaben, die darauf ausgelegt sind, die Teilnehmermotivation zu maximieren und Ermüdungserscheinungen zu minimieren. Insgesamt nahmen 1.064 Personen im Alter von 16 bis über 85 Jahren teil. 39 Prozent berichteten von Long-COVID-Symptomen. Die Analyse ergab, dass der Long-COVID-Status der stärkste Prädiktor für die Arbeitsgedächtnisleistung war. Es folgten Alter und Anzahl der Infektionen. Teilnehmende mit Long COVID schnitten bei dem Arbeitsgedächtnis-Test signifikant schlechter ab als die Kontrollgruppe ohne Long COVID. Die niedrigsten Werte wurden in der Gruppe mit klinischer Diagnose beobachtet. Die Werte wurden zudem schlechter, wenn es mehrfache Infektionen mit SARS-CoV-2 gab. 

Literatur:
1.    Delano, P., Benavides, F.G., Serra, C. et al. Sex and occupational differences in long COVID prevalence among healthcare workers: a multicentre registry-based study in three Spanish hospitals. BMC Public Health (2026). https://doi.org/10.1186/s12889-026-28415-9.
2.    Decker SRR, Song Y, Dahabreh IJ, Yeh RW, Kazi DS: Long-term Cardiovascular Outcomes in US Medicare Beneficiaries After COVID-19 Hospitalization During the Omicron Era. Circulation: Population Health and Outcomes, July, 2026, DOI: 10.1161/CIRCOUTCOMES.125.012993.
3.    Mariani N, Martins D, Imbeni F, et al.: Fatigue after COVID-19 infection is associated with peripheral immunometabolic alterations affecting neuroimmune responses in the hippocampus. Transl Psychiatry (2026), DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-026-04250-9.
4.    Khodanovich M, Svetlik M, Kamaeva D, et al.: MRI-Based Quantitative Assessment of Normal-Appearing White and Gray Matter Demyelination in Multiple Sclerosis, Parkinson’s Disease, Long COVID, and Normal Aging. Biomedicines 2026, 14, 1691, DOI: https://doi.org/10.3390/biomedicines14081691.
5.    Asghar AUR, Yuen HK, Aksoy M, Salawu A and Baseler HA: Long COVID affects working memory: assessment using a single rapid online test. Front. Hum. Neurosci. 2026, 20: 1881458, DOI: 10.3389/fnhum.2026.1881458.

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