Schwere entzündlich-rheumatische Erkrankungen: Neue Immuntherapien

Zwei aktuelle Studien
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Dieses Bild zeigt eine Blutprobe mit der Beschriftung „Systemischer Lupus erythematodes“.
© luchschenF/stock.adobe.com
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Dass neuartige Therapien gezielt krankheitsverursachende Immunzellen bei schwer behandelbaren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ERE) ausschalten können, zeigen zwei aktuelle Studien.

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, darunter die chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen und auch seltene Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes (SLE), systemische Sklerose oder entzündliche Muskelkrankheiten. Trotz großer Fortschritte in der Forschung sind diese Krankheiten derzeit unheilbar und nicht bei allen Betroffenen erfolgreich behandelbar.

In den beiden aktuellen Studien greifen die Forschenden jüngste Innovationen der modernen Immunmedizin auf: neuartige Antikörperkonstrukte und personalisierte Zelltherapien. Therapien gegen ERE müssen häufig über Jahre breit das Immunsystem dämpfen, um die krankhaften Entzündungsvorgänge zu unterdrücken. Das ist oft hochwirksam, schwächt aber auch die körpereigene Abwehr der Betroffenen. Die neuen Ansätze zielen darauf ab, das Immunsystem durch die einmalige Ausschaltung krankheitsauslösender Immunzellen gezielt „neu zu programmieren“.

Untersuchung sogenannter T-Zell-Engager

Ein internationales Forschungsteam unter Erstautorenschaft von Dr. Christina Düsing, Dr. Hermina Györfi und Ayla Stütz vom Universitätsklinikum Düsseldorf untersuchte sogenannte T-Zell-Engager (TCE). Diese bi-spezifischen Antikörper-Moleküle verbinden über ihre beiden unterschiedlichen Bindungsstellen körpereigene T-Zellen des Immunsystems gezielt mit krankheitsrelevanten Immunzellen. Auf diese Weise können sie deren Zerstörung auslösen.

Der Ansatz wurde unter anderem für Leukämien entwickelt und nun auch bei schweren Systemerkrankungen wie die systemische Sklerose und das Antisynthetase Syndrom untersucht. Die Ergebnisse zeigen auch für diese Erkrankungen, dass sich dadurch krankheitsverursachende Zellpopulationen ausschalten lassen.

Ergebnisse der CASTLE-Studie

Über Ergebnisse der CASTLE-Studie berichten die Erstautoren Prof. Dr. Fabian Müller, Hämatologe, sowie Dr. Melanie Hagen und Dr. Andreas Wirsching aus der Rheumatologie vom Universitätsklinikum Erlangen. Sie untersuchten den Einsatz gegen CD19 gerichteter CAR-T-Zellen bei schweren Autoimmunerkrankungen. Bei dieser Therapie werden patienteneigene Immunzellen im Labor genetisch so verändert, dass sie Antikörper-produzierende B-Zellen gezielt erkennen und auslöschen.

Die Forschungsgruppe um Prof. Müller untersuchte den Ansatz bei schweren ERE wie systemischem Lupus erythematodes, systemischer Sklerose und idiopathischen entzündlichen Myositiden. Die klinischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Strategie auch bei stark therapieresistenten Verläufen zu anhaltenden klinischen Verbesserungen führen kann.

Die Entwicklung innovativer Immuntherapien

„Die beiden Studien zeigen eindrucksvoll, wie dynamisch sich innovative Immuntherapien derzeit entwickeln“, sagt Prof. Dr. Ulf Wagner, Präsident der DGRh. Insbesondere die tiefe B-Zell-Depletion im Gewebe durch Zell- und Antikörpertherapien eröffnet neue Perspektiven für Patientinnen und Patienten mit schweren Verläufen, bei denen bisherige Behandlungsansätze an ihre Grenzen stoßen. 

Auch wenn weitere Studien erforderlich sind, um Wirksamkeit und Sicherheit dieser Therapieformen langfristig zu bewerten, markieren die Ergebnisse wichtige Schritte hin zu krankheitsmodifizierenden Behandlungsstrategien bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

Originalpublikationen:
Düsing C. et al.: Bispecific T cell engagers for treatment-refractory autoimmune connective tissue diseases. Nature Medicine (2026). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41714747/"Bispecific T cell engagers for treatment-refractory autoimmune connective tissue diseases - PubMed"
Müller F. et al.: CD19 CAR-T cells for treatment-refractory autoimmune diseases: the phase 1/2 CASTLE basket trial. Nature Medicine (2026). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41501497/"CD19 CAR-T cells for treatment-refractory autoimmune diseases: the phase 1/2 CASTLE basket trial - PubMed"

Quelle: idw
 

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