Zungenabstrich zum TB-Nachweis?

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Frau mit offenem Mund, der von einer behandschuhten Hand ein medizinisches Wattestäbchen in den Mund geführt wird
© RioPatuca Images
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Tuberkulose (TB) mit nur einem Zungenabstrich nachweisen? Das könnte zukünftig möglich sein. Innerhalb von 35 Minuten könnte dann diagnostisch der TB-Nachweis erfolgen.

Der bisherige Goldstandard zur Diagnose von Tuberkulose (TB) beinhaltet die Untersuchung von abgehustetem Sekret im Labor. Durch das neue Verfahren könnte die Diagnose schneller erfolgen und ohne Labor, mithilfe eines Zungenabstrichs vor Ort innerhalb von 35 Minuten. In einer aktuellen Studie konnten Forschende der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und der University of California (USA), nachweisen, dass vergleichbar viele Patientinnen und Patienten mit Zungenabstrich diagnostiziert werden können wie mit dem bisherigen Sputum-Nachweis. 

Mobile Geräte im Einsatz

Für den Nachweis vor Ort kommen zwei mobile Geräte zum Einsatz: eines löst die Bakterien aus dem Abstrich für die weitere Analyse auf und das zweite Gerät wertet die Probe durch Detektion von Erbgut aus. Kontrollleuchten an diesem Gerät zeigen „positiv“ an, es liegt Bakterien-Erbgut vor, oder „negativ“, es liegt kein Bakterien-Erbgut vor. In der Studie untersuchten die Forschenden sowohl den Nachweis an sich als auch die Durchführung von ungeschultem Personal am Ort der Durchführung des Zungenabstrichs.

In der Studie wurden 1.380 Personen mit Verdacht auf Lungentuberkulose in Indien, Südafrika, Nigeria, Uganda, Vietnam, auf den Philippen und in Sambia untersucht. Hier gaben sie sowohl abgehustetes Sekret ab und Zungenabstrichproben. Die Forschenden ermittelten aus den Ergebnissen den Anteil der korrekten positiven Diagnosen (Sensitivität) und den Anteil der korrekt ermittelten Gesunden (Spezifität). Mittels des Zungenabstrichs konnten vier von fünf Personen korrekt positiv getestet werden (Sensitivität 80 Prozent) und nur 0,5 Prozent waren falsch positiv getestet. Dies entspricht einer Spezifität von 99,5 Prozent. Die Untersuchung des Sputums ergab ähnliche Ergebnisse.

Empfehlung durch WHO

„Wir haben gezeigt, dass das Verfahren die Ansprüche der Weltgesundheitsorganisation an Tuberkulose-Diagnostika erfüllt“, erläutert die Erstautorin Dr. Yerlikaya. „Die Ergebnisse sind so überzeugend, dass die WHO den Einsatz bei Jugendlichen und Erwachsenen mit TB-typischen Symptomen bereits jetzt empfohlen hat.“ Auch die Benutzerfreundlichkeit der neuen Testgeräte konnte in der Studie bestätigt werden. Die kompakte Größe überzeugte und sie können ohne großen Schulungsaufwand bedient werden. Da sie batteriebetrieben laufen, eignen sie sich insbesondere für den Einsatz in Gebieten, in denen keine dauerhafte Stromversorgung gewährleistet ist. Auch die Kosten dieses Point-of-Care-Nachweises überzeugen gegenüber dem bisherigen Nachweis im Labor.

Nach der Empfehlung der WHO wird aktuell an der Pilotanwendung in Ländern mit hoher TB-Belastung gearbeitet. Hierfür müssen nicht nur die Geräte und das Material angeschafft werden, sondern auch genaue Einsatzorte definiert werden. Entscheidend sei, dass nicht nur das medizinische Personal, sondern auch die untersuchten Personen Vertrauen zum neuen Nachweisverfahren gewinnen.

Literatur:
Yerlikaya S, Masuzyo C, Adije B et al.: Pulmonary Tuberculosis Detection with MiniDock MTB Using Swab Samples. New England Journal of Medicine, 2026, 394(17), 1710–1722; DOI: 10.1056/NEJMoa2509761.

Quelle: idw

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