Das kann kein Zufall sein; die Geräte wissen, wann Freitag ist. Wirklich!
Ich bin davon überzeugt, dass eine wissenschaftlich fundierte Studie dies mit einer Statistik faktisch belegen könnte.
Auch andere Kuriositäten zeigen den Individualismus der Geräte.
So läuft bei einer Kollegin die wöchentliche Wartung am immunologischen Gerät regelmäßig schief. Obwohl sie nichts anderes macht als wir, ist bei ihr der Automat nach der Wartung nicht mehr in Ordnung.
Eine andere Kollegin spricht von kleinen Männchen, die ihr an einem Gerät Dinge verstellen.
Natürlich gibt es keine kleinen Männchen im Gerät, haha, das weiß doch jeder.
Ich bin aber sicher, hier merkt der Analysator, wer gerade an ihm arbeitet.
„Ich fahre den Cobas nachts nicht mehr runter“, erklärt mir Sybille. „Immer, wenn ich ihn wieder hochfahre, muss ich mich am Bildschirm anmelden, aber die digitale Tastatur öffnet sich nicht, damit ich das Passwort eingeben kann! Ich hab mittlerweile schon richtig Angst, dass ich wieder da stehe und das Gerät nicht ans Laufen bekomme.“
Ich probiere es aus. Kein Problem, alles klappt wunderbar. Auf Nachfragen bei den Kolleginnen bestätigen alle, dass sie immer die Tastatur bedienen können.
Sybille muss in ihrem Nachtdienst das Gerät neu starten … und die Tastatur öffnet sich nicht.
Für mich ist ganz offensichtlich: Die Geräte entwickeln ihr Eigenleben!
Am PC ist es nicht besser. Alle von uns reaktivieren bei bekannten onkologischen Patienten die vom System stornierten Automaten-Diffs und geben die Werte unter Vorbehalt raus.
Nur bei Frieda bleiben die Werte nicht, sondern löschen sich selbst. Schaut man Frieda über die Schulter, sieht man, dass sie alles so eingibt wie wir. Sobald wir nicht mehr neben ihr stehen, funktioniert es nicht.
Das alles führt dazu, dass wir mit den Geräten sprechen. Manche laufen besser, wenn man böse seine Stimme erhebt, andere werden von uns auch schon mal liebevoll getätschelt, gestreichelt oder umarmt.
Es weiß zum Beispiel jeder, dass eine kritische Kalibration besser funktioniert, wenn man während der Kalibration das Gerät umarmt und leise „Bitte“ sagt.
Solche Dinge lernt man nicht auf der MT-Schule, aber spätestens im ersten Berufsjahr kennt man von jedem Apparat die besonderen Befindlichkeiten.
Da soll mal jemand sagen, die Gespräche mit der KI wären besorgniserregend, weil man das Gefühl bekommt, sich mit einer Person zu unterhalten.
Wir sind doch bis jetzt auch mit den Persönlichkeiten unserer Analyseautomaten klargekommen.
Man muss sie nur richtig zu nehmen wissen!
Entnommen aus MT im Dialog 11/2026
Artikel teilen




