Ich tippe fröhlich in meinen PC: „Nach Beschluss des Europäischen Parlaments vom 30. Februar 2026 wird der Petition zur Abschaffung der Sommerzeit entsprochen und die Verordnung zur Sommerzeit wird mit sofortiger Wirkung zum April 2026 außer Kraft gesetzt und ersatzlos gestrichen.
Die bereits erfolgte Zeitumstellung wird in der Nacht vom 1. April 2026 zum 2. April 2026 rückgängig gemacht, sodass ab sofort wieder die MEZ – mitteleuropäische Zeit – gilt.
Die Umstellung erfolgt um 3 Uhr um eine Stunde zurück auf 2 Uhr.“
Das ist schon ganz gut, denke ich. Aber mir fällt etwas Besseres ein. Ich lösche den Text und schreibe:
„Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
in oben genannter Kontrollcharge ist wiederholt der Wert der Thrombozyten außerhalb des zulässigen Bereiches. Um einen optimalen Kontrollwert im wiederfindbaren Bereich zu erlangen, bitten wir Sie, die Kontrolle in folgender Weise zu handhaben:
• Wie bisher: Schütteln der Kontrolle über Kopf und anschließendes Rollen zwischen den Händen.
• Neu: Zur Tarierung der Gravitätskräfte, die eine übermäßige Sedimentierung der Thrombozyten in der Probe verursachen können, mit dem Röhrchen zehnmal leicht vertikale Schleifen in Form einer Acht drehen. Dafür nehmen Sie mit zwei Fingern die Kontrollprobe mittig, ohne großen Druck auszuüben. Nun wird das Röhrchen leicht geschwenkt, indem Sie mit den jeweiligen Enden eine um 45 Grad verschobene virtuelle Acht zeichnen.
• Ist der Thrombozytenwert weiterhin nicht optimal, ist die Ausrichtung der Schwenkbewegung in West-Ost-Richtung hilfreich.
Für Fragen oder Unterstützung stehen wir Ihnen gerne unter den üblichen Kontaktdaten zur Verfügung.
Wir bedauern etwaige Unannehmlichkeiten.“
Ich muss beim Tippen schon über die Gesichter meiner Kolleginnen lachen. Doch jetzt kommt mir eine Idee, die mir noch besser gefällt:
„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
in den letzten Wochen häuften sich die zurückgegebenen Wäschestücke.
Wir möchten darauf hinweisen, dass jedes von Ihnen in den Wäscheabwurf geworfene Wäschestück eine Waschpauschale bei unserem Wäscheanbieter verursacht.
Es sollte sicher möglich sein, pro Woche nur
• EIN Kasak und
• EINE Hose
zu beanspruchen.
Um einen sinnlosen Abwurf noch sauberer Wäsche zu vermeiden, erheben wir ab dem 1. April 2026 folgende Wäschepauschalen, sollten Sie mehr als ein Teil in der Woche benutzen:
• Kasak (ab dem zweiten Teil pro Woche): 4,67 Euro/Kasak,
• Hose (ab dem zweiten Teil pro Woche): 2,74 Euro/Hose.
Die Pauschale wird über den Wäscheabwurfautomaten gebucht und am Ende eines jeden Monats mit Ihrer Gehaltsabrechnung verrechnet.
Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis.“
Ja, das lasse ich so. Noch schnell einen offiziell aussehenden Briefkopf oben drüber und das entsprechende Datum, dann drucke ich es aus.
Ich lege das Schreiben vormittags in den Aufenthaltsraum und verschwinde in mein Büro. Als ich mittags von den Kolleginnen zur Pause gerufen werde, trödele ich ein wenig.
Ich möchte den Kolleginnen erst ein wenig Zeit zum Lesen des Schreibens geben. Zehn Minuten später komme ich in den Aufenthaltsraum, in dem bereits große Aufregung herrscht.
„Hast du das gelesen, Christel!? Was soll das denn jetzt? Soll ich stinken wie ein Puma? Ich werde doch nicht auf eigene Kosten den Kasak wechseln!“
„Ich auch nicht! Im Sommer komme ich dann nur noch einen Tag in der Woche! Ich laufe nicht mit verschwitzten Klamotten rum!“
Ich lasse sie noch ein wenig toben und lache in mich hinein. Kurz vor Ende der Pause sage ich: „Habt ihr das Datum gelesen?“
Erst schaut man mich verständnislos an. Dann fällt bei einer Kollegin der Groschen.
„Man, das gibt’s doch nicht!!! 1. April! Die haben uns veräppelt! Ich fasse es nicht, ich hab das echt geglaubt!“
Nach und nach wird erleichtert gelacht. „Ich hab denen das auch geglaubt! Wär ja so typisch irgendwie, dass wieder Geld gespart werden muss!“
„… oder hast du das geschrieben, Christel?“
„Was? Ja, du hast Recht, das war wieder Christel, oder?“
„CHRISTEL??“
Ich verschwinde schnell in mein Büro. April, April! Hach, das hat doch wieder richtig Spaß gemacht.
Entnommen aus MT im Dialog 04/2026
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