Erlebnisse einer MTL

Die unangenehmsten Ereignisse in der Nacht
red
Silhouette einer MTL, umgeben von medizinischen und wissenschaftlichen Symbolen
© MC Creative/stock.adobe.com
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Gegenüber meiner ersten eigenen Wohnung lebte eine Familie, die ebenso wie ich einen Hund besaß. Wir freundeten uns an und oft zogen die jugendliche Nachbarstochter und ich gemeinsam mit den Hunden los.

Durch die Gespräche während der langen Runden lernten wir uns sehr gut kennen. „Du Christel“, sagte sie einmal, „wenn du allein im Labor bist, zum Beispiel wenn du Nachtdienst hast, welche Arbeit ­findest du am schlimmsten?“

Ich brauchte nicht lange zu überlegen und antwortete: „Wenn eine Kreuzprobe kommt.“ Ich weiß nicht mehr, ob ich ihr damals noch erklärte, was eine Kreuzprobe ist. Aber seitdem wünschte sie mir vor jedem Nachtdienst: „Ruhige Nacht und wenig Kreuzproben!“

Ich wohne schon lange nicht mehr dort und wir haben uns seit vielen Jahren aus den Augen verloren. Doch manchmal überlege ich, was ich heute auf ihre Frage antworten würde. Kreuzproben würde ich sicherlich nicht mehr angeben. Warum empfand ich das damals als schlimm in der Nacht? Vielleicht wegen der Zeit, die man benötigt? Damals hatten wir noch Bereitschaftsdienste und da hielt eine Kreuzprobe auf.

Unangenehm finde ich mittlerweile nachts die Abarbeitung von positiven Blutkulturen. Wir stellen beim positiven Ausfall ein Grampräparat her und informieren die Ärztin/den Arzt über das Ergebnis. Ist eine der vier Flaschen positiv geworden, warte ich eine Weile. Wenn die restlichen drei Flaschen negativ bleiben, streiche ich ein Präparat aus. Aber immer dann, wenn ich fertig bin, aber auch nur erst dann, meldet sich eine weitere Flasche positiv. Es ist zum Verzweifeln! Warte ich, um gleich alle Flaschen zeitgleich abzuarbeiten, bleibt es bei nur einer positiven Flasche.

Ich frage meine Kolleginnen, was ihnen in der Nacht am unangenehmsten ist. Tatsächlich liegen die positiven Blutkulturen an oberster Stelle. Gleich darauf folgt die Ausgabe von ungekreuzten Blut­konserven inklusive des zeitlichen Stresses und das anschließende Zusammensuchen aller Dokumente und Unterschriften.

Den Verdacht auf einen Transfusionszwischenfall möchte auch keiner während seines Dienstes bekommen. Vor der Fragestellung Malaria haben einige von uns Angst, wenn sie allein sind. Das ver­stehe ich sehr gut, denn hier fehlt einfach die Routine. Man fühlt sich sicherer, wenn man zu zweit mikroskopiert und beurteilt.

Als einfach nur lästig, aber nicht schlimm, werden mir die Anrufe genannt, in denen nach Werten gefragt wird, obwohl man nicht einmal darüber informiert hatte, dass Monovetten geschickt wurden.

Oder wenn ein Blutgasgerät irgendwo im Haus kaputt ist und mehrfach für Reparaturversuche dorthin gelaufen werden muss.

Der freundliche Gruß der jugendlichen Nachbarin würde also wohl heute folgendermaßen lauten: „Christel, ich wünsche dir eine ruhige Nacht mit wenigen positiven Blutkulturen, ohne Ausgabe von ungekreuzten Blutkonserven, ohne einen Verdacht auf einen Trans­fusionszwischenfall, keine Malaria, wenige Anrufe und ohne ein kaputtes Blutgasgerät!“

Klingt doch nett, oder?

 

Entnommen aus MT im Dialog 07/2026

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